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welche Gründe Marias Verhalten derart beeinflußt haben.“

„Ruhe! – Du verlangst Unmögliches. Bei allem ruhig zu bleiben, dazu gehören Nerven wie Taue so stark! Und die habe ich nie gehabt. Wenn ich bedenke, was alles in diesen drei Tagen auf mich eingestürmt ist, – Sorgen, Zweifel, Befürchtungen! – Und kein Ende abzusehen – im Gegenteil! Vielleicht habe ich das Schlimmste sogar noch vor mir!“

„Kein Ende, meinst Du?“ sagte Dreßler ärgerlich. „Allerdings kein Ende, wenn Du Dich nicht zusammennimmst und Dein Geschick nicht wie ein Mann trägst! Ich denke, daß gerade diese Zweifel an der Aufrichtigkeit Deiner Frau Dich fähig machen müßten, mit Überlegung jedes Für und Wider abzuwägen. Wenn Du aber in dieser Weise fortfährst, dein Unglück nutzlos zu bejammern, so schädigst Du Dich selbst dadurch am allermeisten. Nimm mir dieses offene Wort nicht übel. Aber ich habe unter Freundschaft auch stets gegenseitige Ehrlichkeit verstanden!“

Der blonde Hüne war am Fenster stehen geblieben, und Dreßler glaubte zu bemerken, wie jetzt ein Zittern durch Wielands gewaltigen Körper ging. Da trat er neben ihn und legte ihm begütigend die Hand auf die Schulter.

„Vielleicht war ich eben zu schroff, Karl.“

„Laß nur!“ kam’s gepreßt heraus. „Du wirst schon Recht haben mit Deiner Ehrlichkeit. Ich habe falsch gehandelt in dieser Sache. Wäre ich sofort zu Dir gekommen, – sofort, nachdem uns die Abwesenheit Durgassows zu ängstigen begann, dann – dann –“

„Dann wäre vielleicht manches anders geworden,“ fügte Dreßler hinzu. „Aber diese Enttäuschungen währen Dir wohl doch nicht erspart geblieben. – Doch genug davon. Die Hauptsache ist, daß wir beide jetzt fest zusammenhalten, daß Du mir fernerhin ohne Scheu alles anvertraust und mir jede, auch die kleinste Beobachtung wiedererzählst. Denn, – ich weiß nicht, wie ich dieses Feinempfinden eigentlich bezeichnen soll,

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Walther Kabel: Das Geheimnis eines Lebens. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1920, Seite 19. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_eines_Lebens.pdf/20&oldid=- (Version vom 31.7.2018)