Seite:Das Geheimnis eines Lebens.pdf/27

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Laden unter Nr. 1224 an dem Fernsprecher angeschlossen war, genau Bescheid. Hierauf nahm Dreßler den sauber eingewickelten Karton unter den Arm und verließ mit freundlichem Gruß das Geschäft.

Eine halbe Stunde später – Dreßler war während dieser Zeit anscheinend ziellos durch die Straßen gebummelt – begegnete er in der Langgasse auf der linken, weniger belebten Seite Jakob Wenzel, seinem Hausgenossen. Aber dieser schien plötzlich von einer Bekanntschaft mit dem Doktor nichts wissen zu wollen. Ohne zu grüßen, schritt er vorüber, machte dann aber bald Kehrt und folgte Dreßler in einiger Entfernung. Dabei musterte er mit seinen kleinen, schlauen Äuglein vorsichtig die vor ihm Hergehenden. Und schnell hatte er auch den Gesuchten gefunden. Kaum zwei Schritte vor ihm ging jetzt ein Mann in einem grauen Pelerinenmantel, der einen schwarzen, weichen Filzhut tief in die Stirn gedrückt hatte.

Jakob Wenzel nickte befriedigt. Er verlangsamte seine Schritte noch mehr, so daß sich die drei, der Doktor, der Graue und der kleine Händler, jetzt in einiger Entfernung folgten. Aber dieses interessante Spiel sollte bald ein Ende finden. Denn Dreßler betrat jetzt das auf dem Langen Markt gelegene Cafee Hohenzollern. Geduldig faßte der Graue davor Posten und wartete. Jakob Wenzel aber stand drüben hinter der Reihe der Taxameter, wartete auch und grinste so schadenfroh. Eine halbe Stunde verging. Ersterer ging in das Restaurant, erfuhr hier aber auf seine in etwas gebrochenem Deutsch gestellte Frage, daß der von ihm beschriebene Herr bereits vor reichlich zehn Minuten durch den anderen Ausgang nach der Hundegasse zu das Lokal verlassen habe. Mißmutig machte sich der Graue wieder davon. Er ahnte nicht, daß der vorsichtige Antiquitätenhändler ihm geduldig auf den Fersen blieb.




Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Geheimnis eines Lebens. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1920, Seite 26. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_eines_Lebens.pdf/27&oldid=- (Version vom 31.7.2018)