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Geheimbundes der Roten Hand, als deren letztes eben nur noch Albert Wenzel am Leben war, seiner Zeit aufs schmählichste hintergangen und um die Beute eines ebenso sorgsam vorbereiteten wie verwegen ausgeführten Streiches gebracht. Wenn ihm jetzt diese Beute oder doch wenigstens ein Teil derselben abgejagt wurde, so war das eben nur die späte Vergeltung für seine frühere Wortbrüchigkeit und Hinterlist.

Inzwischen war Albert Wenzel mit sich über alle weiteren Schritte ins reine gekommen. In leisem Flüsterton stellte er die verschiedensten Fragen an seinen Bruder, zog auch ein Kursbuch zu Rate und sagte dann schließlich, indem er aus seinem Reisekoffer ein Rasierzeug hervorholte und auf dem Tisch ausbreitete:

„Gut, ich fahre also noch heute mit dem Elf-Uhr-Zug ab, der nach dem Fahrplan in Hohenstein Anschluß nach Berent hat. Um aber keine Vorsicht außer acht zu lassen, werde ich mir meinen Bart abnehmen und mich möglichst unkenntlich machen. – Zieh bitte den Fenstervorhang zu. Es ist jetzt 9 Uhr. Da werde ich mit meinen Vorbereitungen noch sehr gut fertig.“

Das wenige, was die Brüder noch zu besprechen hatten, war bald erledigt, während Albert Wenzel beim Scheine der Lampe sich das Gesicht sorgfältig einseifte und mit dem Rasieren begann. Dann nahmen sie voneinander Abschied.

„Ich wünsche Dir gutes Gelingen,“ sagte der kleine Trödler nochmals und drückte dem Bruder fest die Hand. Darauf verließ er die Schifferkneipe und kehrte eiligst nach Hause zurück.

Albert Wenzel aber blickte ihm mit schadenfrohem Lächeln nach.

„Gut, daß ich Dich an der rechten Seite zu nehmen wußte,“ murmelte er vor sich hin, während das Messer kratzend die Barthaare von seiner Oberlippe entfernte. „Du bist mir ein brauchbares Werkzeug gewesen, ein sehr brauchbares sogar. Aber Du bist für ein Geschäft wie das meine doch noch zu sehr Anfänger,

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Geheimnis eines Lebens. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1920, Seite 64. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_eines_Lebens.pdf/65&oldid=- (Version vom 31.7.2018)