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„Allerdings, – jetzt ja, nachdem wir Sie, Herr Doktor, gehört haben. Wer mag wohl nur dieser Unbekannte sein? Was meinen Sie dazu?“

Dreßler zuckte die Achseln.

„Vielleicht ein internationaler Verbrecher, der zufällig hierher gekommen ist. Jedenfalls ist es aber kein Gelegenheitsverbrecher. Dafür spricht schon der Umstand, daß er keine Papiere bei sich trug, die eine Feststellung seiner Person ermöglicht hätten, weiter auch, daß er im Besitze von Gift und auch sonst gut bewaffnet war.“

„Nun, vielleicht ist er der Berliner Kriminalpolizei bekannt. Wir werden die Leiche natürlich photographieren lassen und das Bild nach Berlin schicken. – So, dann danke ich Ihnen, Herr Doktor. Für Sie besteht nun noch die traurige Pflicht, die Angehörigen des Ermordeten zu benachrichtigen. Gewiß – eigentlich wäre das meine Aufgabe, aber Sie werden das ja wohl lieber selbst besorgen wollen.“

Als Dreßler jetzt das Zimmer verließ, atmete er wie befreit auf. Leicht war es ihm bei diesem Verhör doch nicht geworden, derart vorsichtig und geschickt Wahres und Falsches zu vermengen, daß die Gerichtskommission nicht auf die Vermutung kam, hier könnte doch noch etwas anderes als ein bloßer Raubmord vorliegen. Aber der Doktor empfand über diese Verdrehung der Wahrheit, wie er sie vorgebracht hatte, nicht die geringsten Gewissensbisse, da daraus niemandem irgend ein Schaden erwuchs. Durgassow und der Graue waren tot. Wozu sollte dieses Verbrechen jetzt noch Enthüllungen nach sich ziehen, die der Familie seines Freundes nur Unannehmlichkeiten bringen mußten und den geachteten Namen Wieland vielleicht nur schädigen konnten.




Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Geheimnis eines Lebens. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1920, Seite 83. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_eines_Lebens.pdf/84&oldid=- (Version vom 31.7.2018)