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des Papiers sichtbar werdenden Tinte gezeichnet werden, damit wir sicher gingen, daß die Nachricht auch wirklich von einem der Unsrigen herrührte und nicht etwa eine uns von anderer Seite gelegte Falle darstellte.

So erhielt ich denn auch Ende Februar 1890, als ich gerade in der Stadt Peschawar in Zentralindien weilte, einen Brief von meinen Genossen, in dem sie mir ankündigten, sie würden nunmehr nach Vollendung des Tunnels vierzehn Tage später in der Nacht vom 14. zum 15. März, den Einbruch in die Schatzkammer unternehmen, weil zu derselben Zeit der Fürst verreist und die Bewachung des Schlosses daher eine weniger scharfe sein würde. Ich solle jedenfalls auf einem von Kalkutta am 18. oder 19. März abgehenden Dampfer vier Plätze belegen, da sie mit ihrem Raube, von dem mir vorher mein Anteil ausgeliefert werden sollte, sofort das Weite suchen wollten. Ich selbst brauche nicht mehr mit ihnen zu flüchten, da auf meine Person kaum ein Verdacht fallen dürfte. – Soweit der Brief. Ich tat, was man von mir verlangte, besorgte aber auch für mich selbst und für Dich, Maria, Kabinenplätze auf einem anderen, einen Tag später abfahrenden Schiff, doch nicht unter meinem richtigen, sondern unter dem Namen Michael Durgassow, da ich vor zwei Jahren in Besitz zahlreicher, auf diesen Namen lautender Papiere gelangt war. Michael Durgassow war nämlich auf einer der Gesellschaft gehörigen Plantage in der Provinz Haiderabad Oberaufseher gewesen und während einer Choleraepidemie fast gleichzeitig mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern, von denen die eine wie du Maria hieß, gestorben. Da ich damals angewiesen wurde, nach eventuellen Erben Durgassow Nachforschungen anzustellen, – diese hatten jedoch keinen Erfolg, behielt ich seine Familienpapiere und die geringe Hinterlassenschaft, ohne zu ahnen, wie nützlich mir die Urkunden noch einmal werden sollten.

Die Beraubung der Schatzkammer Rasantasenas gelang vollständig. Meine Genossen langten am

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Walther Kabel: Das Geheimnis eines Lebens. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1920, Seite 90. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_eines_Lebens.pdf/91&oldid=- (Version vom 31.7.2018)