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An den Quellen der Berlebecke.

1.

Umdunkelt von kühlenden Schatten,
Tief, tief in des Waldes Grün,
Zieht lautlos auf moosigen Matten
Ein Bächlein versteckt dahin.

5
Des dämmernden Waldes verschwiegnes Kind,

Wie leis und wie ernst es hernieder rinnt,
Als wollt’ es geheim entfliehn.

In flüsternden Buchen verborgen,
Dies Plätzchen, wie still und traut!

10
Hier wird nur am sonnigen Morgen

Das schüchterne Vöglein laut.
Nur still und verstohlen ein Lichtstrahl fällt
Durch dämmernder Zweige gewölbtes Zelt
Auf’s duftende Haidekraut.

15
Hier haben mich liebend umfangen

Zwei Arme so warm und weich;
Zwei Augen, zwei Lippen, zwei Wangen,
Sie glühten mir all’ zugleich.
’s war ringsum so still, und was Liebe getauscht,

20
Das hat nur der schweigende Bach erlauscht;

Das Vöglein, es schlief im Gezweig.


2.

Wie eilet mit flüsterndem Rieseln
Der Bach hier dem Thale zu,
Dahin über blinkenden Kieseln,
Als hätt’ er nicht Rast noch Ruh,

5
Er murmelt und flüstert geheim im Fliehn,

Die Blumen, sie neigen sich über ihn
Und hören dem Schwätzer zu.

Und wie sie so heimlich ihm nicken
Und dann wieder lauschend stehn!

10
Und wie sie mit lächelnden Blicken

Mir schelmisch in’s Auge sehn!
Mir sagen’s die Blumen, mir sagt’s der Quell:
Geplaudert, verrathen hat der Gesell,
Was er nur allein gesehn.

 L. Altenbernd.

Empfohlene Zitierweise:
: Das Hermanns-Denkmal und der Teutoburger Wald. Meyer, Detmold 1875, Seite 40. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Hermanns-Denkmal_und_der_Teutoburger_Wald.pdf/40&oldid=- (Version vom 31.7.2018)