Seite:Das Kirchweihfest.pdf/12

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wenn gleich die Religion dadurch geschändet und entehret wird.

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Die Beybehaltung dieses Festes wird aber auch von den Beamten um ihres Vortheils willen begünstiget. Der Schulz und die Wirthe versehen an diesem Fest die Küche des Herrn Amtmanns reichlich mit Fleisch und Gebackenen, wozu nicht selten gemästetes Federvieh kommt. Der Amtknecht geht auch nicht leer aus. Nicht zu gedenken, daß er an diesem Tag auf Kosten der Gemeinde zehret, gehet seine Frau mit einer hiezu gemietheten Weibsperson von Haus zu Haus, und sammlet weisses Brod und Kuchen. Sogar die Pfarrer haben dieses unchristliche Fest vormahls begünstiget, weil sie von den meisten Bauern mit feinem Brod, Kuchen und Metzelsuppen oder Schlachtschüsseln beschenket worden sind. Die Gerichte, womit des Herrn Pastors sein Tisch besetzet wurde, waren von den Geschenken der wohlthätigen Bauern bereitet, und von dem verderblichen Koffetrank wußte man nichts. Heut zu Tag würde aber ein Pfarrer übel ankommen, wenn er sich dahin einschränken wollte. Es gereichet aber Pfarrern und Amtleuten eben so wohl zur Schande, als den Herrschaften, daß, und wenn sie dieses Fest der Schwelgerey begünstigen.

Empfohlene Zitierweise:
Anonym: Das Kirchweihfest in: Journal von und für Franken, Band 1. Raw, Nürnberg 1790, Seite 558. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Kirchweihfest.pdf/12&oldid=- (Version vom 31.7.2018)