Seite:Das Land Gigantea.pdf/20

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sogar für seine, weicheren Regungen kaum mehr zugängliche Seele ein allzu blutiges Beginnen. – Ja – wenn er Gift besessen hätte! Dann wäre es ihm leicht geworden, seine Feinde ins Jenseits zu befördern, ohne geradezu Auge in Auge mit seinen Opfern ihnen das Lebenslicht auszublasen. Es wäre so bequem gewesen, ihnen das Gift ins Essen zu mischen! Als August Wend diese abscheulichen Pläne in seinem verbrecherischen Hirn kaltblütig erwog, fiel ihm unwillkürlich jener Tag ein, als er aus der Najade das große Sterben unter der Besatzung dadurch hervorgerufen hatte, daß er die Bazillen des gelben Fiebers heimlich in die Speisen tat. – Schade, dachte er weiter, daß ich hier keine solchen Bazillen habe, Doch – vielleicht finde ich etwas anderes, das den gleichen Erfolg hat!

Während er sich mit so verruchten Gedanken abgab, standen seine Gefangenen regungslos in einer Reihe da. Auch das Hirn dieser sechs arbeitete mit unheimlicher Schnelligkeit. Nur waren es hier andere Pläne, die erwogen, wieder verworfen, umgeändert und hastig auf ihre Durchführbarkeit hin geprüft wurden. Pläne, die auf eine schleunige Befreiung aus dieser schlimmen Lage abzielten. Daß dieses Denken bei allen sechs Gefährten das gleiche war, lag ja so sehr nahe. Sie wußten ja nur zu gut, mit wem sie es hier zu tun hatten und wie einzig und allein nur eine sofortige Wendung der Dinge sie noch vor dem Äußersten bewahren konnte.

Der Steuermann schaute sich jetzt suchend um. Ganz in der Nähe stand eine Buche mit einem Stammdurchmesser von gut fünf Meter. An diesen Baumriesen mußten die Gefangenen sich nun mit dem Rücken anlehnen, und wieder war es Ernst Pötter, dem die Aufgabe zufiel, seine Gefährten durch mehrere lange Riemen ganz fest an die Buche zu binden. Wend hatte ihm die Fesseln abgenommen, überwachte wieder sehr scharf jede Bewegung des Kajütjungen der Frigga und tat mit ihm nachher ein gleiches, als die übrigen nunmehr, ohne infolge der Dicke des Stammes

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W. Belka: Das Land Gigantea. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1919, Seite 19. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Land_Gigantea.pdf/20&oldid=- (Version vom 31.7.2018)