Seite:Das Land Gigantea.pdf/21

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einander sehen zu können, wie am Marterpfahle dastanden.

Bisher hatte Peter Strupp als einziger den Verbrecher eines Wortes gewürdigt, indem er ihm sagte, es sei noch lange nicht aller Tage Abend, und unverhofft käme oft, – worauf August Wend hart aufgelacht und erwidert hatte: „Maul halten, sonst gibt’s eins drauf! Im übrigen ist’s auch sehr zweifelhaft, ob Ihr diesen Abend noch erleben werdet!“

Peter Strupp hatte durch diese zuversichtliche Bemerkung den Steuermann nur zu einer unvorsichtigen Äußerung darüber reizen wollen, was jener wohl mit ihnen anfangen werde. Doch August Wend fiel auf diesen Trick nicht hinein, machte jetzt kurz kehrt und betrat das Wohnhaus. Bald hatte er hier gefunden, was er suchte. In dem sauberen, durch gespaltenes Bambusrohr gebildeten Fußboden der Küche war eine kleine Falltür eingefügt, die in einen aus Feldsteinen gemauerten Keller hinabführte.

Wend beschloß, die fünf hier einzusperren, nachdem er sich erst einmal die Farm genauer angesehen hatte. Dazu ließ er sich vollauf Zeit. So gelangte er denn auch, als er am Ufer der Insel ein Stück nach Norden zu weiterging, an eine sumpfige Stelle, die sich sehr tief in das Land hineinzog. Es war ein Morast mit zahllosen winzigen Inselchen, auf denen stets ein paar seltsame Riesenpflanzen, schon mehr Bäume zu nennen, wuchsen und dem feuchten Erdreich durch ihr Wurzelwerk festeren Halt gaben.

Diese Riesenpflanzen, sämtlich Vorfahren unserer heutigen, am häufigsten austretenden Sumpfgewächse, waren in den verschiedensten Arten hier heimisch, sämtlich aber von einer Höhe, Farbenpracht der Blüten und einem Riesenumfang der Blätter, daß ein Naturfreund sich kaum daran hätte sattsehen können. Besonders zahlreich waren die sogenannten Krugpflanzen hier in Exemplaren bis zu acht Meter Höhe vorhanden. Ihre Eigentümlichkeit besteht darin, daß sie an ihren kletternden Blattstielranken krugförmige Erweiterungen besitzen, an deren ringförmigem Rand ein

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W. Belka: Das Land Gigantea. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1919, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Land_Gigantea.pdf/21&oldid=- (Version vom 31.7.2018)