Seite:Das Land Gigantea.pdf/23

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

dazu verlockte, die gigantische Erle zu erklimmen, um deren unterste Äste die Blattstielranken der Sumpfblume sich geschlungen hatten. Er wollte sehen, welch ein Tier es war, das aus dem merkwürdigen Behälter doch offenbar nicht mehr herauskonnte.

Kaum befand er sich dann aber gerade über der Öffnung der grünen, mit rotweißen Längsstreifen geschmückten Kanne, als der morsche Ast, auf dem er stand, ganz plötzlich abbrach. August Wend stürzte kopfüber in das runde Loch hinein, fiel auf etwas Hartes, faßte mit den Händen in einen wolligen Pelz und fühlte sofort auch an seinem linken Unterarm die Zähne eines kräftigen Tiergebisses. Er war auf einen jungen Mandrill gefallen, also einen Vertreter jener Affenart, die sich auch jetzt noch durch ihre Wildheit und Bösartigkeit auszeichnet. Dieser junge Mandrill maß gut anderthalb Meter, war, angelockt durch den süßen Saft der Honigdrüsen des ringförmigen Randes, in die Kanne hineingeraten und hier von dem klebrigen Saft dann festgehalten worden.

Auf dem Grunde der Fangvorrichtung dieser Krugpflanze begann nun zunächst ein kurzer Kampf zwischen den beiden Opfern des enormen Gewächses. Der Steuermann wurde dabei noch verschiedentlich gebissen, ehe es ihm gelang, den starken Mandrill mit Hilfe seines Dolchmessers abzutun. Nun – die Bisse hätten einem Manne von der Widerstandsfähigkeit August Wends nichts weiter ausgemacht. Aber der Kampf, so schnell er auch beendet war, sollte ihm doch verhängnisvoll werden. Die dicke, klebrige Flüssigkeit am Grunde der Kanne, gut ein Meter tief, hatte den ganzen Körper des Steuermanns überzogen und behinderte ihn so sehr an der freien Bewegung seiner Gliedmaßen, daß es ihm nicht glückte, die Wandung des Pflanzenkruges zu durchschneiden, um sich einen Ausweg aus der Falle zu schaffen, an der ein Hochklettern gänzlich ausgeschlossen war. So sehr er auch mit dem Dolchmesser arbeitete, sein Arm erlahmte stets nur zu schnell. Der dicke Saft, in dem er stand, wirkte wie bester Fischleim. Je mehr er sich bewegte,

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Das Land Gigantea. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1919, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Land_Gigantea.pdf/23&oldid=- (Version vom 31.7.2018)