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kleine Tal zu machen, in dem man gerade lagerte. Er nahm seine Büchse zur Hand und schlich leise davon. Der Mond stand über dem engen Felsenkessel, und es war so hell wie zur Stunde der Dämmerung nach einem klaren Sommertage, während die scharfe Abgrenzung von Licht und Schatten die Felsen in noch seltsameren Umrisse erscheinen ließ.

Mondbeleuchtung hat ja stets etwas Geheimnisvolles an sich, besonders, wenn der, der ihre stillen Reize genießt, unter ungewöhnlichen Umständen, wie dies hier bei Heinz Brennert der Fall war, einsam dahinwandert. Der aufgeweckte Jüngling fühlte denn auch heute wieder wie schon so oft gerade hier im Orient, sozusagen auf der Schwelle des Märchenlandes Indien, einen leisen Schauer des Ergriffenseins über seinen Leib rieseln, wie er so über sich den blinkenden Sternenhimmel und dazu noch die glänzende Mondscheibe sinnend bewunderte, das Schweigen um ihn her die Luft mit allerlei überirdischen Lauten zu erfüllen schien und das gelegentliche Schnauben der Tiere fast wie eine Entweihung sich vernehmen ließ.

Befangen von einer gewissen Träumerei ging er langsam weiter und näherte sich so der einzigen Stelle, wo der Felskessel mit seinen zwar nicht sehr schroffen, aber doch ganz unwegsamen Abhängen sich zu einem Engpaß öffnete, der in das nächste größere Tal führte.

Der Jüngling war vielleicht noch fünf Meter von diesem Zugang entfernt, als er im schwarzen Schatten einiger Felsstücke, die sich eins in das andere eingekeilt zu haben schienen, etwas wie eine Bewegung eines helleren Gegenstandes zu bemerken glaubte. Sofort blieb er stehen, starrte scharf nach jenem Fleck hin und … erkannte nun etwas wie die Umrisse einer menschlichen Gestalt, die am Boden kauerte, jetzt aber völlig regungslos blieb.

Heinz wagte sich vorerst nicht näher heran, entsicherte vielmehr nur seine Büchse und versuchte, sich über die wahre Natur jenes helleren Dinges dort unter den Felsen völlig klar zu werden.

Ein paar Minuten verrannen so. Der junge Deutsche hätte am liebsten einen Schuß nach jener Richtung hin abgefeuert. Aber er fürchtete, der Ingenieur und der gute

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W. Belka: Das Rätsel des Dschebel el Dachali. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 15. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_R%C3%A4tsel_des_Dschebel_el_Dachali.pdf/16&oldid=- (Version vom 31.7.2018)