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sich an den Stein lehnen mußte, um nicht matt wieder umzusinken. Sein braunes, von tiefen Furchen durchzogenes Gesicht hatte eine graue Farbe, sah so aus, wie das Erbleichen bei farbigen Rassen sich bemerkbar macht. Seine Augen waren halb erloschen, blickten irr in die Runde, während die dünnen, rissigen Lippen, auf denen Sich die Spuren von Insektenstichen deutlich zeigten, in lautlosem Gemurmel sich bewegten.

Doktor Wallner holte aus der Innentasche seines gelblichgrauen Tropenanzugs – die drei Deutschen trugen genau dieselbe Kleidung, die sie sich in Kairo angeschafft hatten – ein Likörfläschchen hervor und hielt es dem Alten jetzt an die Lippen. Und der trank und trank, bis der Doktor ihm das Labsal mit einem halb belustigten, halb ärgerlichen: „Bescheiden sein, lieber Freund …!“ entzog.

Der Kognak übte eine belebende Wirkung auf den dem Tode so nahe Gewesenen aus. Seine Augen bekamen wieder Glanz, die Erdfarbe seines Gesichts verlor sich und ein tiefer, befreiender Seufzer drang über die gemarterten Lippen.

Der Ingenieur, der verschiedene arabische Dialekte leidlich beherrschte, da er seit langem in Mesopotamien und Persien den größten Teil des Jahres zugebracht hatte und zwar stets im Auftrage größerer Minengesellschaften, redete den Alten, der in einen zerrissenen Burnus gekleidet und mager wie ein Skelett war, jetzt in freundlichem Tone an und erreichte auch, daß der Araber – es war ein Rafri (die beiden Hauptstämme in Oman sind die Rafri und die von der Westküste (Jemen) zugewanderten Hinawi) – schnell Vertrauen zu seinen weißen Rettern faßte und seine seltsame Leidensgeschichte erzählte.




Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Das Rätsel des Dschebel el Dachali. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_R%C3%A4tsel_des_Dschebel_el_Dachali.pdf/7&oldid=- (Version vom 31.7.2018)