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Liste.png Walther Kabel: Das Tagebuch eines Irren (Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Band 9)

in die Batterie des russischen Flaggschiffes „Peter der Große“ einschlug, ein Geschütz demolierte und mehrere Matrosen tötete, hörte diese Jagd auf. Ein großartigeres Drama begann, das der weltbekannten Seeschlacht von Navarino. Der russische Admiral antwortete auf den einen Treffer sofort mit einer wohlgezielten Salve, die dem türkischen Linienschiff die Backbordseite dicht über der Wasserlinie aufriß und es in kurzer Zeit wegsinken ließ.

Dies war das Signal zum allgemeinen Angriff.

Nach einer Stunde verschwand der „Kaiser Barbarossa“ hinter der Insel Sphakteria. Und als Kapitän Müller schmunzelnd zu dem Agenten Wegener sagte: „Sehen Sie, Sie wären schön ’reingefallen, wenn Sie gewettet hätten!“ – da legte sich die von Kugeln wie ein Sieb durchlöcherte „Alexandria“ auf die Seite und ging dann in einem tosenden Strudel mit Mann und Maus in die Tiefe.

Die Schlacht bei Navarino endigte mit der Vernichtung des größten Teiles der ägyptisch-türkischen Flotte. Diesem Siege der Verbündeten hat Griechenland seine Befreiung von dem türkischen Joche hauptsächlich zu verdanken. In dem Frieden zu Adrianopel wurde der Sultan gezwungen, sich den Beschlüssen der Mächte über Griechenland zu unterwerfen, und vier Jahre später, am 7. Februar 1833, hielt Prinz Otto von Bayern als König Otto I. von Griechenland seinen feierlichen Einzug in die Hauptstadt des neugegründeten Königreichs.

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Im Herbst 1905 starb in einem Irrenhause in Westpreußen der letzte Nachkomme jenes Eduard Meinert in Danzig, an den der Sekretär des Kapudan-Beis in der Nacht vor der Seeschlacht von Navarino einen Brief

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Tagebuch eines Irren (Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Band 9). Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1908, Seite 117. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Tagebuch_eines_Irren.pdf/18&oldid=- (Version vom 31.7.2018)