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Liste.png Walther Kabel: Das Tagebuch eines Irren (Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Band 9)

Liebling! Und weißt du, warum meine bisherigen Nachforschungen vergeblich waren? Weil Jussuf Meinert in seiner Beschreibung einen Fehler gemacht hat, da er in jener Nacht den nördlichsten ausspringenden Winkel der Bastion vor sich zu haben glaubte, während es in Wirklichkeit der nordwestliche war. Dieser Irrtum konnte ihm schon unterlaufen, wenn man bedenkt, daß die beiden Schatzgräber in der Dunkelheit und sicherlich auch in großer Eile die Abmessungen vorgenommen haben. Jetzt bin ich mir aber meiner Sache ganz sicher! Zwar stehen auf dem inmitten eines Platanenhains recht versteckt liegenden Hügel von den drei erwähnten Eichen nur noch zwei – mächtige, verwitterte Stämme sind’s – aber ich habe mit meinem Stock so lange in der Erde herumgesucht, bis ich auch das Wurzelwerk der dritten fand, die wahrscheinlich durch einen Blitzschlag einmal zerschmettert wurde. Der Boden ist dort ganz unbebaut, und die Mauer des nächsten Weinbergs gut zweihundert Meter entfernt. Daß also der Schatz in der Zwischenzeit durch Zufall vielleicht bei irgend einer Feldarbeit entdeckt worden ist, brauchen wir nicht zu fürchten, und noch heute nacht werde ich erfahren, ob Jussuf Meinerts Urkunde wirklich nur ein – Phantasiegebilde ist!“

Da fiel Frau Elsa ihrem Gatten mit unterdrücktem Jubelschrei um den Hals. „Kein Phantasiegebilde, Fritz!“ meinte sie hoffnungsfreudig. „Eine innere Stimme sagt mir, daß du Erfolg haben wirst!“

Der Knabe aber klatschte jetzt ausgelassen in die Hände, und sich zwischen die Eltern drängend, die ihn ganz vergessen zu haben schienen, rief er mit seinem hellen Stimmchen: „So lustig soll Mutti immer sein – immer!“

Und der Vater fuhr ihm liebkosend über das frische

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Tagebuch eines Irren (Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Band 9). Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1908, Seite 138. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Tagebuch_eines_Irren.pdf/39&oldid=- (Version vom 31.7.2018)