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Liste.png Walther Kabel: Das Tagebuch eines Irren (Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Band 9)

begann er dann mißmutig. – „Du hast doch sicher gehorcht!“ setzte er spöttisch hinzu.

„Nicht gehorcht, aber doch alles gehört, da ich nebenan den Bericht an den Padischah schrieb und der Engländer laut genug sprach!“ erwiderte der Bucklige ohne die geringste Unterwürfigkeit, eher etwas gereizt, und kreuzte nachlässig die langen Arme über der Brust. Er verstand es schon, mit seinem Herrn umzugehen.

Der Bei lenkte auch schnell begütigend ein. „Du weißt, ich habe kein Geheimnis vor dir, Jussuf. Daß du neugierig bist, verüble ich dir keineswegs. Nur mich brauchtest du nicht gerade zu belauern! Du erfährst ja doch alles von mir. Und nun sage mir, was du von unserer Lage denkst.“

Der Kleine schien zu überlegen. In Wirklichkeit war er schon wenige Minuten, nachdem der englische Marineoffizier die „Alexandria“ verlassen hatte, über seine Stellungnahme zu der jetzt drohenden Katastrophe mit sich ins Klare gekommen. Daß er seine genaue Kenntnis der politischen Absichten der Pforte, die er hauptsächlich der Vertrauensseligkeit seines Herrn verdankte, schon seit Jahren noch in anderer Weise ausnutzte, ahnte niemand. Er hatte an dem gefährlichen Spiel, das ihn schon mehrmals korrigierend in das Getriebe der Weltgeschichte eingreifen ließ, Gefallen gefunden und wollte auch jetzt gemäß den Instruktionen, mit denen ihn der von ihm bediente Staat fortlaufend versah, nach Möglichkeit den Ausbruch von Feindseligkeiten zwischen den Verbündeten und der Türkei verhindern.

So sagte er denn eindringlich, indem er noch einen Schritt näher auf den ihn erwartungsvoll anblickenden Bei zutrat: „Ich habe schon immer davor gewarnt, den europäischen Mächten Gelegenheit zu geben, sich

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Tagebuch eines Irren (Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Band 9). Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1908, Seite 106. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Tagebuch_eines_Irren.pdf/7&oldid=- (Version vom 31.7.2018)