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64.
Bay View, 18. August 1900.

Als ich heute früh erwachte, schien die Sonne strahlend in mein Zimmer; blinzelnd mußte ich mich erst an den Glanz gewöhnen. Noch halb im Schlaf, hatte ich die Empfindung, daß etwas Wunderbares, Wunderschönes meiner warte – zuletzt ist mir als Kind so zu Mut gewesen, wenn ich am Weihnachtsmorgen erwachte und mich noch halb träumend erinnerte, daß nebenan im Wohnzimmer der Baum stände mit allen Geschenken. Nicht nur draußen schien aber heute früh die Sonne; nein, in mir selbst strahlte es von Glück und Seligkeit und auch an diesen Glanz mußte ich mich erst blinzelnd gewöhnen – nach der langen Sorgennacht.

Die Welt ist schön, die Welt ist gut – weil Sie leben, liebster Freund! Was spricht man denn von irdischem Jammertal – ein blühender Garten ist’s – Sie leben ja! Schmerz und Leid soll alles sein? Oh, es gibt so wonniges, tief inneres Glück – Sie leben ja! – Mir ist, als erwache ich erst der Welt, wie sie wirklich ist – meiner Welt – wie ich sie sehe – wie ich sie fühle. Die anderen Leute gehen herum, als sei nichts Besonderes vorgefallen – und es ist doch alles neu und anders

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Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 256. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/257&oldid=- (Version vom 31.7.2018)