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nur überliess er ihnen die Erhebung aller noch verpachteten Steuern und Einkünfte[1]; in ihrer Geldnoth musste die Regierung bei ihnen Wechselschulden eingehen, die sich schon 1539 auf 1 Million[2], 1557 auf 6 800 000[3] und 1560 ausser den durch juros verzinsten Summen auf 7 Millionen Dukaten beliefen[4]. Da der Kaiser öfters zum Termin nicht zahlen konnte, musste er sich die Verlängerung mit Wucherzinsen erkaufen[5].

Es wäre seltsam, wenn trotz solcher Finanzverhältnisse die ökonomische Entwicklung des Landes eine günstige gewesen wäre. Zu ihr wollen wir jetzt übergehen.

Für Haebler ist die Zeit Karl’s die Blüthe des wirtschaftlichen Lebens in Spanien. Nach ihm hat der Kaiser nicht nur durch seine weise Förderung der Landwirthschaft und der Industrie die eifrige Fürsorge seiner gepriesenen Vorgänger übertroffen; in seinen freihändlerischen Anschauungen ist er den dem Merkantilsystem anhängenden Spaniern weit überlegen. Diese hellen Farben heben sich vortrefflich von dem düsteren Hintergrunde ab: von den Massregeln der Vorgänger, die eine ungenügende, von denen des Nachfolgers, die eine ungerechte Darstellung finden[6], von dem Unverstand der Cortes, der parteiisch

  1. Vergl. die Klage der Cortes von 1542 pet. 87 (Danvila V, 311).
  2. Siehe oben S. 400 Anm. 3.
  3. Das hat Badoer vor seinem Abgang erfahren (Alberi, 1. ser. III, 312).
  4. Weiss VI, 156 u. 158. Die Staatsschulden beliefen sich also auf 27 Mill. duc., ohne die an Sold und Gehältern fälligen 3 990 000 duc. (ib. 160), zu deren Deckung 1561 doch nur 1 338 000 duc. vorhanden waren (ib. 165). Und dabei ist die Aufzahlung nach Philipp selbst unvollständig (ib. 157: y aunque hay mas, las que agora se me acuerdan son estas).
  5. So rechnet Karl 1543 für Zins und Prolongation bei einer Summe von 90 000 duc. „wenigstens“ 30 000 (vergl. seine Instruction). Auch die Venetianer staunen über die hohen Zinsen. Bernardino Navagero redet 1546 von 15—20 Procent (Alberi, 1. ser. I, 391), Cavalli 1551 selbst von 30 Procent (ib. III, 209).
  6. Es soll hier nicht näher auf Philipp’s Regierung eingegangen werden. Aber schon oben (S. 395 Anm. 8 u. S. 399 Anm. 4) musste Haebler’s Unbilligkeit gegen ihn gerügt werden. Mit Unrecht behauptet er auch, dass Philipp nicht so gewissenhaft gewesen sei wie Karl. 1557 in der höchsten Finanznoth hat die Prinzessin die grösste Mühe, die Scrupel des Königs zu überwinden und die Erlaubniss zum Verkauf von Adelsbriefen
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Freiburg i. Br.: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr, 1889, Seite 402. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_DZfG_1889_01_402.jpg&oldid=- (Version vom 18.1.2019)