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fast aller Lebensbeschreibungen von Sièyes. Weniger bekannt ist, dass sie, nach dem Angeführten, wesentlich Sièyes selbst zu danken ist. Durch eine deutsche Uebersetzung, welche separat gleichfalls schon 1795 erschien, wird dies aber nachdrücklich bestätigt[1]. Hier heisst es in der Vorrede: „Es liegt uns ob, ein Wort über den Ursprung dieser Schrift zu sagen. Sie wurde veranlasst durch eine bis daher noch nicht erschienene Übersetzung der Sieyeschen Werke. Der schätzbare deutsche Gelehrte, so sich damit beschäftigt, schrieb an einen seiner Freunde in Paris um Nachrichten über Sieyes’ens Lebensumstände. Die Person, an welche er sich wandte, hatte das unvergessliche Glück, mit dem Philosophen im Umgange zu stehn und von ihm einiges Vertrauens gewürdigt zu werden. Sie machte ihn bekannt mit dem Wunsche des Auslandes. Sieyes liess sich bereit finden, zu willfahren. Er entwickelte ihr in einigen heitern Morgenstunden die Geschichte seines gedankenreichen Lebens, doch unter der ausdrücklichen Bedingung, dass das Gesagte blos dem Gedächtniss anvertraut bleibe und in Frankreich nicht niedergeschrieben würde. Diese Vorsicht, welche treulich beobachtet worden ist, war den Zeitumständen angemessen und nicht zu weit getrieben. Ein Aufsatz der Art, in den Papieren eines Fremden gefunden, hätte den Tyrannen Frankreichs erwünschten Vorwand geliefert, eine Konspiration zu erdichten, um das Haupt des unantastbaren Weisen aufs Schaffot zu bringen. So verstrich ein ganzes Jahr, ehe es dem Herausgeber gelang, sich gegen Todschlag und Kerker auf dem gastfreundlichen Boden der Schweiz sicher zu stellen. Hier geschah es, dass er die Vorräthe seines Gedächtnisses zu Papiere brachte. Allein die Fluth neuerer Eindrücke und ihre konvulsivische Heftigkeit hatten die Spuren vieler alten verwischt und ausgelöscht. Er empfand diesen Mangel am lebhaftesten, da er sich des köstlichen Schmuckes

    la Notice sur la Vie de Sièyes est sous presse et paraîtra incessament“. Nach Lafayette, Mém. IV, 1 und Mignet, Notices et Mémoires hist. 1843 I, 2 muss auch eine Ausgabe „Paris, chez Maradan 1794“ existiren.

  1. Ueber Sièyes’ens Leben. Von ihm selbst geschrieben. Aus dem Französischen übersetzt, und mit Anmerkungen und Beilagen begleitet. Mit Sièyes’ens Portrait von Bréa gezeichnet und von Lips gestochen. In der Schweiz 1795. XIV u. 111 S. Züricher Stadtbibliothek Gal. XVIII, 1353. Varia. Persönliches. Schweizerisches.
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Freiburg i. Br.: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr, 1890, Seite 109. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_DZfG_1890_03_109.jpg&oldid=3135872 (Version vom 4.6.2018)