Seite:De Flügel auf Frapan Ilse.djvu/41

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wachte der Patron auf, dehnte sich, streckte sich in seinem krachenden Lehnstuhl, schob die raschelnde Zeitung von seinem feisten Bauch, auf dem sie wie auf einem Tisch geruht und rief die Frau. Nein, er wollte nicht hören, was der rief, es war zu stillos an diesem Maiabend. In seinem Zimmer wollte er horchen – drang nur ein Laut von diesem Hottentottenkerl in seine Einsamkeit, so stahl er sich sofort wieder von dannen. Zu schlafen war ohnehin nicht in solcher Nacht.

Ein starker Syringenduft schlug ihm entgegen, als er die Stubenthür öffnete. Kam das vom Garten drüben? Nein, es war ja hier drinnen, ein Strauß auf dem Tisch, ein voller Strauß, vom Monde gestreift und hier auf ihn wartend in der Stille. Er hatte doch nicht etwa die Thür verfehlt? Hastig zündete er eine Kerze an. Nein, alles in Ordnung, nur der Blumenstrauß auf dem Tisch, so groß, daß er den Kopf hinein stecken konnte. Er that es, athmete in vollen Zügen mit offenen Lippen zwischen den Blüthenrispen, ganz verwundert und fragend, wer ihm diese Huld angethan haben könne.

Etwas fremdes streifte dabei seinen Mund, eine feste Kante, ein Blatt Papier. Er faßte es mit den Zähnen und zog es vorsichtig heraus. Wie denn? was denn? Ein Liebesbrief? von wem? Eine ihm bestimmte Überraschung? Eine Mystifikation ohne

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Ilse Frapan: Flügel auf!. Paetel, Berlin 1895, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Fl%C3%BCgel_auf_Frapan_Ilse.djvu/41&oldid=- (Version vom 19.8.2019)