Seite:De Geschichten aus den vier Winden Dauthendey.djvu/278

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Aber ich sagte mir, er wird wahrscheinlich mit ihr schon hundert ähnliche Fälle erlebt haben und hatte das Recht zum Lachen.

Nun hörte ich, wie die junge Dame sagte, sie wolle den Baumast ansehen. Er könne sich überzeugen. Der Ast müsse abgebrochen sein.

Ich sah, wie sie zum Baum ging und dort in die Luft fühlte, wo mein Stock gewesen. Aber da war in ihrer Handhöhe weder oben noch unten irgendein Zweig am Stamm. In doppelter Menschenhöhe erst setzten die Zweige der Tanne an.

Sie sah sprachlos am Baum empor und begriff jetzt erst, daß sie sich getäuscht haben müsse.

„Aber es war doch ein daumendicker Ast da,“ hörte ich sie versichern.

„Was du gesehen und gefühlt hast, braucht noch lange nicht ein Ast gewesen zu sein,“ höhnte der junge Mann.

„Es war ein Ast. Ich habe das Holz gefühlt. Wo ich bin, ist die Welt immer verhext,“ erklärte sie zuletzt. „Denke dir, was mir gestern wieder passiert ist!“

Sie kamen beide im Sprechen näher zur Bank, auf der ich mit hochgeschlagenem

Empfohlene Zitierweise:
Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 277. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/278&oldid=3248527 (Version vom 31.7.2018)