Seite:De Geschichten aus den vier Winden Dauthendey.djvu/294

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Nach dem Mittagessen am Tage meiner Ankunft, nachdem ich auf meinem neuen Zimmer ausgeruht hatte, schlenderte ich in der Abenddämmerung durch den Ort. Als ich aus dem Garten auf die Straße trete, höre ich ein Gekicher, und an meiner Seite vorüber läuft ein zwergartiger Mann mit gewaltigen langen Armen, großem, höckerigem Kopf, wie ein Orangutang anzusehen, in eine Seitengasse hinein.

Ein paar Frauenzimmer, die vor einer Haustüre auf niedrigen Hockern kauerten, rieben sich mit der Handfläche Mund und Wangen ab und deuteten mir mit ihren Augen an, daß der Zwergmensch sie beide unversehens eben umarmt und geküßt hatte. Die eine, die Altere, drohte hinter ihm her mit ihrem Holzpantoffel, die andere hatte noch seine Mütze in der Hand, die sie ihm wahrscheinlich vom Kopf gerissen hatte, und sie schleuderte die Kappe dem Fortstürmenden mit einem kreischenden Zuruf nach.

Ich war verblüfft über die Häßlichkeit des Zwerggeschöpfes, das sich so männlich und so kindlich zu gleicher Zeit gebärden konnte, und das sich jetzt aus der Ferne umschaute, seine Mütze an sich riß und den Frauen die Zunge herausstreckte.

Empfohlene Zitierweise:
Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 293. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/294&oldid=3248545 (Version vom 31.7.2018)