Seite:De Geschichten aus den vier Winden Dauthendey.djvu/303

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Blutandrang zum Gehirn schwächer wurde, und ich mich allmählich wieder gesund werden fühlte.

Ulrike, die junge Dame, die mich so plötzlich besuchte, war Studentin der Chemie, und ich kannte sie aus Freiburg, wo sie studierte. Sie war eine jener schönen rothaarigen Frauen, die jetzt in Deutschland so selten werden. Sie hatte jene milchweiße Hautfarbe, mit leichtem rosa Hauch, die wie eine sanfte Kamelienblüte unter blauem Himmel leuchtet.

Aber es ging nicht die Kühle der Blüte von diesem schönen Geschöpf aus. Das leuchtende Milchfleisch ihrer Wangen und ihres Nackens neben dem dumpfroten Haar war von einer leuchtenden Lüsternheit verklärt. Man hätte das junge Mädchen nie unverschleiert gehen lassen dürfen, da ihre Reize so stark waren, daß ihr Gesicht, ihre Hände und ihr Nacken beinahe schamlos wirkten, wie enthüllte Blößen.

Im Mittelalter wurden solche verwirrend schöne Frauen den Folterknechten als Hexen hingegeben, und die Männerfäuste schlugen mit Wollust Wunden in dieses allzu aufreizende Frauenfleisch.

So war Ulrike, die hier plötzlich auftauchte in jener Luft, in der ich seit Stunden das

Empfohlene Zitierweise:
Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 302. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/303&oldid=3248556 (Version vom 31.7.2018)