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das „Prager Abendblatt“, obzwar ich mich weidlich bemühte, selbe an irgend ein größeres deutsches Blatt anzubringen.

Meine Anstrengungen in der Richtung blieben gänzlich erfolg­los. Gewöhnlich erhielt ich die sorgfältig verpackten Manuskripte postwendend zurück – manchmal dauerte es etwas länger – das war der einzige Unterschied. – Später änderten die Verleger ihren Geschmack und druckten mit viel Vergnügen die ehemals verstoßenen Erzeugnisse meiner Feder, wie z. B. „Die Galbrizzi“ – „Mal’occhio“ – „Memento mori“ – den „Frühlingstraum“ etc. etc.

Damals aber ging’s mir schlecht, und als eines schönen Tages auch die beiden Provinzblätter mir die Freundschaft kündigten und nichts mehr von mir wissen wollten, – da wurde ich sehr traurig und fing an, mich dafür zu schämen, so viel Papier und Tinte zu verderben. Vielleicht hätte ich die schlechte Gewohnheit ganz ab­gelegt, wenn nicht durch die Vermittlung meines mir damals persön­lich gänzlich unbekannten Landsmanns, Herrn Fritz Mauthner, eine kleine Erzählung von mir in der „Deutschen Lesehalle“, einem Beiblättchen des „Berliner Tageblatts“, angenommen worden wäre.

Inzwischen hatte ich auch meine schöne Stimme endgiltig be­graben, nachdem ich mit Mutter und Schwester durch halb Europa von einem berühmten Singlehrer zum andern gewandert war.

Ich sah ein, daß kein Singlehrer mir mehr zu etwas verhelfen konnte – was nicht mehr existierte! – Müde, elend zog ich in’s alte liebe Nest zurück – das alte, liebe Lochkow, in dem ich auf­gewachsen bin, mit dem meine ganze geistige Entwickelung eng ver­bunden ist, und von dem wir uns im vorigen Herbste trennen mußten.

Empfohlene Zitierweise:
Ossip Schubin: Meine Erstlinge. Verlag von Gebrüder Paetel, 1894, Seite 264. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Meine_erstlinge_Schubin_Ossip.djvu/4&oldid=- (Version vom 31.7.2018)