Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/009

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zur Rettung des schwankenden und schwachen Gemals zu versuchen — das ahnete er nicht.

Zuweilen, in muthlosen Stunden, wenn Cornelie ihr Thun mit prüfendem Blick betrachtete, sprach sie trostlos zu sich selbst; Ob er mich nicht heimlich verachtet? ob er es nicht kleinlich und niedrig findet, daß ich nicht freiwillig fahren lasse, was sich mir zu entziehen strebt? Aber wie ein Andrer um sein Leben oder seine Krone, so ringe ich um mein höchstes Gut. Ringen ist erlaubt — „und die Liebe ist ein Panier über mir.“

In diesen Qualen und Schwankungen verging ihr ein Theil des Winters. Aber die Spannung in der sie seit Monaten lebte, die Aufregung jedes Augenblicks, die Verechnung jedes Wortes, dazu die Ungewißheit des Erfolgs und der Zweifel an ihrer Kraft, endlich der nagende Seelenschmerz — machten ihr auf die Dauer eine gleichmäßige Ruhe unmöglich. So ängstlich sie auch ihr Benehmen gegen Antoinette hütete um nicht durch Ton oder Blick die geringste Befangenheit, Mißtrauen oder Bitterkeit zu verrathen: so war ihr das doch gegen Eustach nicht immer möglich. Sie fühlte in sich selbst die Gewitterwolken zusammenziehen; sie zitterte vor ihren Ausbruch. In dieser fürchterlichen Ueberanstrengung der Seele erkrankte der Körper.

Empfohlene Zitierweise:
Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/009&oldid=2891648 (Version vom 18.8.2016)