Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/085

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in ihm war wickelt sich im Verlauf des Lebens aus ihm heraus. Aus dem Ei eines Paradiesvogels schlüpft nie ein Geier, aus dem des Adlers nie eine Taube. Es spricht für unsre unerhörte Oberflächlichkeit wenn wir zuweilen ganz verblüft sagen: Wie ist der Mensch anders geworden! Wir hatten aus irgend einer Eigenschaft die uns bei ihm auffiel die Diagnose seines Lebens aufgestellt, ohne zu bedenken, daß höchst selten eine in die Augen springende Eigenschaft, sondern der tiefe Characterkeim ihm seine Richtung anweist; denn in diesem oft sehr lange verhüllten Keim liegt der künftige Paradiesvogel oder Geier.“

„Gleichviel! das Resultat ist dasselbe. Aus dem kleinen unschuldigen Geierlein wird ein großer grimmiger gefährlicher räuberischer Geier – was eine ganz andre Creatur zu nennen ist als die, welche wir im Nest gekannt haben; und so sagen wir denn mit Entsetzen oder mit Freude – je nachdem! – wie ist der Mensch anders geworden. Uebrigens .… Sie sind nicht anders geworden, nur vollkommner; und wenn Sie auch nicht viel von den vollkommnen Menschen halten (was, beiläufig gesagt, ein großes Glück für uns Unvollkommne ist) – so sind das doch grade die, welche mich beherrschen. Unter Umständen mag es eine Wonne sein

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 84. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/085&oldid=3262049 (Version vom 31.7.2018)