Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/168

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.


Alle Anderen sprechen: Nun ja, ich hab' grade genug um anständig zu leben, meine Kinder zu versorgen, die ungeheuern Ansprüche zu befriedigen, die an mich gemacht werden. Nein, lieber Doctor, in unsern Zeiten ist es gewiß ein Unsinn und vielleicht eine Sünde nach Reichthum zu streben; Unsinn – weil der Umschwung der Dinge von der Art ist, daß es mehr als ungewiß ist ob er auf unsre Kinder übergehen wird; Sünde – weil es die ungeheure gährende, brodelnde Kluft immer tiefer spalten hilft, die zum Vortheil Einzelner zwischen dem Besitzenden und dem Nichtbesitzenden gerissen wird, und die ein Schlund ist, welchen der Einzelne lieber wie Curtius durch ein Opfer schließen, als ihn vergrößern helfen sollte – wenn hiebei überhaupt Opfer der Einzelnen heilbringende Wirkung thun könnten.“

„Gnädige Gräfin, sagte Leonor fast spöttisch, Sie sind nicht umsonst in diesem Lande und in der Nachbarschaft Frankreichs gewesen: der Communismus hat Sie angesteckt.“

„Warum nicht? fragte sie neckend; auf dem Boden der Freiheit wäre das nicht außerordentlich. Der Communismus ist ja weiter nichts als die Theorie der Gleichheit in der materiellen Wirklichkeit praktisch ausgeführt und, wenn ich nicht irre, waren Sie früher ein glühender Anhänger dieser Theorie.“

Empfohlene Zitierweise:
Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 167. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/168&oldid=3262132 (Version vom 31.7.2018)