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Daher tauschten die vier um das Feuer lagernden Männer jetzt auch beredte Blick aus, hüteten sich aber, ein lautes Wort zu sprechen, zumal Ali Mompo, der Mischling, nun auch seinerseits warnend den Zeigefinger auf die Lippen legte. Seinem scharfen Gehör war das Geräusch draußen in der Schlucht nicht entgangen, das wie halb unterdrücktes Wiehern von Pferden klang.

Zu ungeduldig, um abzuwarten, bis der junge weise „Massa“ Aufschluß über die Ursache seines Argwohns gab, huschte Ali Mompo zum Eingang hin und wechselte dort mit Loring ein paar vorsichtig gehauchte Worte. Dann verharrten sie beide in lauschender Stellung dicht nebeneinander, bis der ebenso kräftige wie hochgewachsene Somaliabkömmling plötzlich verschwand. Er war aus der Felsenöffnung auf den Boden der Schlucht hinabgesprungen.

Erst nach einer guten halben Stunde kehrte er zurück und berichtete, gegen dreißig Beduinen – den Stamm dem sie angehörten, konnte er nicht bestimmen – hätten die Schlucht von Norden kommend passiert, wären aber ohne Aufenthalt weitergeritten.

Paul Loring tat, als sei er nun ganz beruhigt. In Wahrheit blieb bei ihm aber noch eine leise Regung des Mißtrauens zurück. Er wußte ja, daß die eingeborenen Nomaden ringsum nach Möglichkeit die Schlucht vermieden, und er vermutete, daß die dreißig Reiter in bestimmte Absicht hierher gekommen sein könnten.

Der rote Knirps, dem das Herz bei diesem Zwischenfall schon wieder erheblich tiefer gerutscht war, atmete erleichtert auf, als Ali Mompo das Ergebnis seines Späherganges mitteilte und hinzufügte, daß man im übrigen selbst drei Dutzend Beduinen nicht zu fürchten brauche, da die Grotte ebenso gut wie eine kleine Festung sei.

Bald war denn auch diese ganze harmlose Ablenkung vergessen, besonders da die Fortsetzung der Abenteuer Paul Lorings aller Aufmerksamkeit völlig gefangennahm.

„Ich will mich nicht zu lange bei Einzelheiten aufhalten“, fuhr der Jüngling fort. „Gewiß – jene ersten Stunden nach dem heimtückischen Überfall, der meiner

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W. Belka: Der Gespensterlöwe. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Gespensterl%C3%B6we.pdf/12&oldid=- (Version vom 31.7.2018)