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Samum …! Der Glutwind, der Sandsturm! – In welchem Reiseroman, der im Orient spielt, wird er nicht erwähnt?! So mancher Schriftsteller hat die Furchtbarkeit dieser Naturerscheinung nach eigenem Gutdünken noch phantastischer ausgeschmückt als ein anderer seiner Kollegen, bei dem er mal eine Schilderung dieses heißen Orkanes gelesen hatte. – Angeblich soll der Samum ganze Karawanen unter sich begraben haben. Dies ist eines der vielen Märchen, die kritiklos von jedem geglaubt werden. – Durch die Sandmassen, die der Samum mit sich führt, ist noch kein Mensch ums Leben bekommen. Die Schrecken dieses Glutwindes hat man ganz wo anders zu suchen. – Sie, meine lieben Landsleute, werden aus meiner weiteren Erzählung sich leicht ein richtiges Bild der Wirkungen dieses berüchtigten Sturmes machen können. –

Also – – es sollte aufgebrochen werden, als sich der westliche Horizont plötzlich stark rötete und dieses Rot in den oberste Schichten schnell in ein verwaschenes Gelb überging. Ich erlebte damals zuerst das Schauspiel einer Sonnenuntergangsbeleuchtung, während das Tagesgestirn noch über dem Horizont stand. Auf diese Verfärbung des Himmels folgte sehr bald eine eigentümliche Bewegung in der Luft, als ob Scharen unsichtbarer Vögel vorüberzogen. Ebenso schnell wurde aus dem merkwürdigen Geräusch ein heftiges Brausen, und gleichzeitig sah ich von Westen her eine Sand- und Staubwolke von riesiger Ausdehnung sich auf unseren Lagerplatz zuwälzen.

Ich tat es den aufgeregten Bir Billa gleich, die sich in ihre Mäntel hüllten und sich platt auf den Boden warfen. Mein Vater folgte, harmlos wie ein Kind lachend, mit dem man Verstecken spielen will, sofort meinem Beispiel. Der Zufall wollte es, daß seine Hände gerade nicht gefesselt waren. In der allgemeinen Angst vor dem Samum hatten die Bir Billa hieran nicht mehr gedacht. Und dieser Umstand sollte mir helfen, meine Befreiungspläne zur Ausführung zu bringen.

Kaum hatte uns die Staubwolke als der Vorläufer des Glutwindes erreicht, kaum war ringsum alles in

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W. Belka: Der Gespensterlöwe. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Gespensterl%C3%B6we.pdf/15&oldid=- (Version vom 31.7.2018)