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häuslich eingerichtet hatte, – eine lange Zeit für das Wenige, was ich geschaffen. Wenig erscheint es. Und doch – wie mühsam war es all das, was ich brauchte, aus dem nichts gleichsam hervorzuzaubern. – Sie dürfen nicht vergessen, daß ich nebenbei noch die nötige Fleischnahrung für meinen Vater und mich zu erjagen hatte, daß es oft Tage dauerte, bis ich eine Antilope oder ein wildes Eselfüllen erlegte, daß ich zu diesem Zweck mich weit, weit in die Wüste hineinwagen mußte.

Diese ersten sechs Monate verstrichen schnell. Langeweile kannte ich nicht. Zum Nachgrübeln hatte ich keine Zeit. Stets sank ich abends übermüdet auf mein Lager, schlief wie ein Toter, bis die Sonne aufging. In diesem halben Jahr wurden wir durch keine fremden Besucher hier gestört, wenigstens durch keine zweibeinigen. Gäste aus dem Tierreich stellten sich öfters ein. Darunter auch Löwen. So hatte sich einmal eine Löwin mit zwei Jungen meine Schlucht als Standquartier ausgewählt. Die Nachbarschaft war höchst ungemütlich. Daher verscheuchte ich die Bestie, indem ich ihr mit Feuerbränden auf den Leib rückte. Töten wollte ich sie nicht. Meine Patronen waren mir zu kostbar. Ich mußte sehr mit Munition sparen, und nie habe ich eine Kugel aus dem Lauf gesandt, wenn ich nicht meines Schusses sicher war.




Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Der Gespensterlöwe. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Gespensterl%C3%B6we.pdf/21&oldid=- (Version vom 31.7.2018)