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Löwen ausgebreitet am Boden lag. Aber – dieses Fell war kein frisches! – Nein, vielmehr bereits sauber gegerbt und an den Rändern mit kleinen Riemen und Löchern versehen, ebenso wie auch der Schädel des Raubtieres noch teilweise vorhanden war.

Der Knirps zuckte auf Fritz Tümmlers „zarte“ Anspielung hin nur die Achseln, wandte sich dann an den blonden, schlanken Paul Loring und bat, dieser solle nun doch mit seiner Erzählung beginnen.

Der Jüngling tat’s. Einleitend aber bemerkte er, daß er sich möglichst kurz fassen wolle, da er sonst Tage zu seinem Bericht gebrauchen würde. – –

„Ich bin das einzige Kind meiner Eltern und in Nürnberg geboren. Daher auch mein leicht bayrischer Dialekt. Mein Vater war Mechaniker. Da er aber in Nürnberg nicht recht vorwärtskam und außerdem in ihm ein gut Teil Abenteuerlust schlummerte, ging er mit einer deutschen Firma in Hamburg einen Vertrag ein, durch den er sich für zwei Jahre verpflichtete, im Auslande für dieses Unternehmen tätig zu sein. – Ich war genau zwölf Jahre alt, als wir Hamburg verließen und den weiten Weg nach Maskat zu Schiff antraten. Maskat ist bekanntlich die Hauptstadt und auch der Haupthafen des unabhängigen Sultanats Oman, das an der Nordostküste Arabiens liegt und reiche Bodenschätze an Erzen birgt, deren Ausbeutung jene Hamburger Firma versuchen wollte.“

Der rote Knirps schlenkerte jetzt ganz erregt mit der Hand in der Luft herum.

„Ein merkwürdiger Zufall!“ rief er. „Wirklich – sehr merkwürdig! Du sprichst von Oman, mein Junge, und gerade der Sultan dieses Landes ist es, der die beiden Landsleute gefangen hält, die wir befreien wollen.“

Paul Loring schien recht überrascht zu sein, ging aber nicht weiter auf die Zwischenbemerkung des Knirpses ein und fuhr fort:

„Der Herrscher von Oman, Said Feysal, steht schon seit langem vollständig unter englischem Einfluß. Natürlich legten die Herren Engländer der deutschen Firma, die ihnen nun in Maskat Konkurrenz machen wollte, alle

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Der Gespensterlöwe. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Gespensterl%C3%B6we.pdf/4&oldid=- (Version vom 31.7.2018)