Seite:Der Krieg.pdf/12

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Stefan George: Der Krieg

›Fehlt dir der blick für solch ein maass von opfern
Und kraft der allheit?‹ Diese sind auch drüben.

75
Das nötige werk der pflicht bleibt stumpf und glanzlos

Und opfer steigt nicht in verruchter zeit ..
Menge ist wert · doch ziellos · schafft kein sinnbild ·
Hat kein gedächtnis – Was fragt sich der Weise?
Sie troff im schwatz von wolfahrt · menschlichkeit

80
Und hebt nun an das greulichste gemetzel ..

Nach speichel niedrigster umwerbung: geifer
Gemeinsten schimpfs!. und was sich eben hezt
Umkröche sich geschmiegt wenn sich erhöbe
Furchtbar vor ihm das künftige gesicht.

85
Und was schwillt auf als geist! Solch zart gewächs

Hat fernab sein entstehn ... Wie faulige frucht
Schmeckt das gered von hoh-zeit auferstehung
In welkem ton. Wer gestern alt war kehrt nicht
Jezt heim als neu und wer ein richtiges sagt

90
Und irrt im lezten steckt im stärksten wahn.

Spricht Aberwitz: ›Nun lernten wir fürs nächste‹
Ach dies wird wiederum anders!. dafür rüstet
Nur vollste umkehr: schau und innrer sinn.
Keiner der heute ruft und meint zu führen

100
Merkt wie er tastet im verhängnis · keiner

Erspäht ein blasses glühn vom morgenrot.

Empfohlene Zitierweise:
Stefan George: Der Krieg. Bondi, Berlin 1917, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Krieg.pdf/12&oldid=- (Version vom 31.7.2018)