Seite:Der versteinerte Wald.pdf/23

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Mehr aus Neugier als in der Annahme, hier etwas Besonderes unter dem Sande hervorzugraben, machten die beiden Jüngsten der Deutschen, Heinz Brennert und Paul Loring, sich ganz unaufgefordert sogleich an die Arbeit und suchten die Überreste des Tieres freizulegen. Dann rief Heinz plötzlich: „Ah – hier – hier –! Hier ist noch eine der Traglasten des toten Wüstenschiffes, – – hier die zweite!“

Es waren längliche Kisten, die jetzt aus dem Sande hervorgezogen wurden. Sie zeigten sich gut erhalten, und der Hüne Kurz, genannt Kürze-Würze, hatte sehr bald die Deckel losgesprengt und einen langen, runden Gegenstand, der offenbar sehr schwer und dick in geölte Leinwand gehüllt war, herausgehoben.

Auch diese Hülle fiel. Und der weit über einen Zentner schwere Gegenstand entpuppte sich als … ein altmodisches Kanonenrohr.

Die Szene war jetzt mit einem Schlage wie verwandelt. Alles regte die Hände, um auch die übrigen Sandkuppeln zu untersuchen, unter denen dann nach einer viertel Stunde acht Geschützrohre von etwa 1½ Meter Länge, zehn Fäßchen Schwarzpulver und gegen hundert gegossene Vollkugeln, die genau zu dem Rohrkaliber paßten, zum Vorschein kamen.

Doktor Pinkemüller konnte es sich auch jetzt nicht verkneifen, eine längere Erklärung über diesen Fund abzugeben.

„Natürlich hat irgend ein geschäftstüchtiger weißer Händler vor langen Jahren einmal mit diesen alten Donnerbüchsen den Sultan von Oman anschmieren wollen“, sagte er, als hielte er einen wissenschaftlichen Vortrag. Dann knüpfte er hieran weitschweifige Erörterungen über die mutmaßliche Herkunft der Kanonen, über den Samum (gefürchteter Wüstensturm), dem die Handelskarawane zum Opfer gefallen sein mußte, und über die Vorteile, die der Besitz dieser unmodernen Kanonen bieten würde.

„Die Verstärkung, die der Feind erhalten hat, wird durch die Geschütze ausgeglichen“, meinte er. „Es dürfte

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Der versteinerte Wald. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_versteinerte_Wald.pdf/23&oldid=- (Version vom 31.7.2018)