Seite:Der versteinerte Wald.pdf/27

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Angebot angenommen und gleichzeitig jede Einzelheit des Planes festgelegt, bei dem die Kanonen eine große Rolle spielen sollten.

Elf Uhr war’s, als der mutige Knabe an dem Ingenieur Tümmler vorbei ins Freie schlüpfte, der gerade an dem nordwestlichen Außenrand die Wache hatte. Es war eine ziemlich dunkle Nacht. Im Süden stand eine dicke Wolkenwand, in der es zuweilen hell aufleuchtete. Ein Gewitter drohte. Dies konnte für das kühne Unterfangen nur von Vorteil sein.

Tümmler hatte dem Knaben fest die Hand gedrückt mit einem kurzen: „Gott schütze Dich, mein Junge!“ – Die schlanke Gestalt verschwand schnell in der Dunkelheit. Der Ingenieur ahnte nicht, unter welch seltsamen Umständen er den kleinen Gefährten wiedersehen sollte.

Das Gewitter kam näher und näher. Die Batterien des Himmels eröffneten ihr Feuer. Ganze Bündel von Blitzen zerrissen wie feurige, sich jagende Schlangen das pechschwarze Firmament. Dabei fiel zunächst auch nicht ein einziger Tropfen Regen. Ganz plötzlich brauste nun aber ein Wolkenbruch herab, wie ihn selbst Pinkemüller in der Wüste noch nicht erlebt hatte. Der kleine Forscher war gerade nach Süden zu durch den versteinerten Wald hindurchgetappt, um den dort Wache haltenden Janos Preszöni abzulösen, als diese Wassermassen herabzustürzen begannen. Der Ungar hatte sich hinter zwei dicht aneinander gelehnte verkieselte Stämme gestellt, um so wenigstens etwas Schutz zu finden. Nur durch einen Zufall entdeckte ihn Pinkemüller hier, und beide Männer standen nun eng beieinander und starrten wortlos aus ihrem Schlupfwinkel heraus auf diesen dichten Vorhang dicker, nicht endenwollender Regenschnüre, die sich von oben stets aufs neue abzurollen schienen, – ohne Unterlaß, ohne verringerte Heftigkeit.

Dann fuhren sie beide erschrocken zusammen.

In das eintönige Brausen der herabflutenden Wasser hatte sich ein dumpfer Knall gemischt, – noch einer – – drei – vier –, etwa wie eine unregelmäßige Salve.

„Ich hab’s befürchtet“, meinte der Doktor. „Die

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W. Belka: Der versteinerte Wald. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 26. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_versteinerte_Wald.pdf/27&oldid=- (Version vom 31.7.2018)