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außer dem Somali am besten mit den Schlichen der Beduinen und den besonderen Verhältnissen der Wüste vertraut waren.

Pinkemüller hatte an dem frischen, mutigen Knaben, mit dem ihn ein wunderbares Spiel des Zufalls vor Wochen hier im Nordostteil Arabiens, in der Wüste el Khali, zusammengeführt hatte, längst Gefallen gefunden.

„Mein Junge, wir dürfen uns nicht verhehlen, daß unsere Lage ziemlich kritisch ist“, sagte er jetzt, indem er sein Dromedar ein Stück zurück brachte und ihm dann die Vorderbeine leicht zusammenband. „Unsere Tiere sind übermüdet. Unsere Verfolger aber dürften Dromedare reiten, die uns jeder Zeit einholen können. So ungern ich daher auch von meiner Büchse Gebrauch mache: hier müssen möglichst viele der feindlichen Reittiere daran glauben.“

Gleich darauf lagen die beiden Deutschen oben auf dem Hügel nebeneinander mit schußfertigen Gewehren.

Doch – von den Beduinen war nichts mehr zu sehen – nichts, so oft der Doktor auch mit seinem Glase das Gelände absuchte.

„Die Geschichte gefällt mir nicht“, meinte er nach einer Weile. „Wenn sich unser alter Gegner Ibrahim ben Garb unter den Verfolgern befindet, müssen wir mit irgend einer Teufelei rechnen. Dieser schlaue Wüstenräuber, dessen Ruf von Suez bis Aden, von Maskat bis Bagdad reicht, auf den die englische und türkische Polizei mit gleichem Eifer es abgesehen haben, ist klüger als wir alle zusammen. Er hat uns Rache geschworen! Und was ein solcher Schwur bei einem Beduinen bedeutet, weiß ich nur zu gut!“


Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Der versteinerte Wald. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_versteinerte_Wald.pdf/6&oldid=- (Version vom 31.7.2018)