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ich die mir noch undurchsichtigen Schachzüge des Täters oder vielmehr das Unbegreifliche seiner Vorbereitungen. Als leidlich intelligenter Mensch, und das ist er fraglos, muß er mit der Möglichkeit rechnen, daß der schwarze Kasimir den auf dem Promenadenweg der Anlagen auf und ab wandelnden Peter Schnee fragte, ob das herrenlose Rad etwa sein Eigentum sei. Dies geschah ja auch. Mithin – bitte gib genau acht, denn nun kommt die Hauptsache – mithin verdarb der Täter das, was er zunächst so schlau eingefädelt hatte, indem er die Möglichkeit offen ließ, Kasimir könnte den ausdauernden abendlichen Spaziergänger, unseren Peter Schnee, ansprechen und des Mordes wegen ausfragen. – Ich behaupte, und auch dabei bleibe ich, daß hier nicht etwa ein fehlerhafter Schachzug des Täters vorliegt, sondern eine satanisch kluge Berechnung.“

Harald stand vor mir und schaute mich versonnen an.

„Satanisch kluge Berechnung“, wiederholte er. „Insofern nämlich satanisch, als Schnee mit voller Absicht als Besitzer des scheinbar herrenlosen Motorrades hingestellt werden sollte. Begreifst du das Teuflische dieser List? Dein Kopfschütteln erstaunt mich. Ich durfte annehmen, du[1] wärest genügend Geistesakrobat geworden, auch derartige Schliche zu durchschauen. Der Täter ist nicht Gerbert, aber die Polizei sollte unbedingt auf Gerbert aufmerksam gemacht werden. Hätte Peter Schnee vor der Polizei alles ausgesagt und auch den Spender der fünfhundert Mark erwähnt, würde die Mordkommission 3, die den Fall in Arbeit hat, den an Peter gerichteten Brief genau so sorgsam untersucht haben wie wir, und bei Gerbert, der ohnedies verdächtig erscheint, sich dessen Schreibmaschine angesehen haben. Ich gehe jede Wette ein, daß alle fünf Briefe mit dieser Maschine getippt sind. – Dein noch immer recht zweifelnder Gesichtsausdruck stört mich nicht. Ich werde Gerbert anrufen.“

Der Doktor, der in unserer Nähe am Fehrbelliner Platz wohnte, war daheim. „– Bitte kommen Sie sofort mit


  1. Vorlage: die
Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Der weiße Maulwurf. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1932, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_wei%C3%9Fe_Maulwurf.pdf/13&oldid=- (Version vom 31.7.2018)