Seite:Der weiße Maulwurf.pdf/18

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Ob ich verstand! – Ich war entsetzt … Als Erbin kam hier ja nur Frau Geraldine Lüning in Betracht, und wenn ich mir diese Dame und ihr widerspruchsvolles Benehmen hier bei uns nochmals vergegenwärtige, steigerte sich mein Mißtrauen bis zu der unerträglichen Überzeugung, daß eine Mutter aus Habgier oder vielleicht aus Habgier und Eifersucht – sie konnte Gerbert heimlich für sich erringen wollen – alle moralischen Bedenken bei Seite geschoben und zur Intrigantin und zu noch Schlimmerem geworden sei.

Harst hatte sich mir wieder gegenübergesetzt, nickte mir unmerklich zu und sagte in einem Tone, als ob er nur meine eigenen Gedanken fortspänne: „Ja, – sie konnte sich sehr leicht einmal bei Gerbert einschleichen, mein Alter, und sie konnte die Briefe in seiner Wohnung tippen, konnte auch Gerberts Fingerabdrücke künstlich auf das Papier bringen, sie ist eine sehr kluge Frau …“

Ich starrte ihn lange an. „Glaubst du an das alles wirklich?!“, fragte ich zweifelnd.

Er hob die Schultern, und sein schmales Gesicht verriet nichts. „Glauben?! – Ich suche den Täter … Vorläufig halte ich mich an Frau Lüning, bis mir etwas Besseres einfällt. Sie war Operettendiva, sie versteht die Kunst des Verkleidens, sie war allein, als der Raubanfall stattfand, das heißt, sie saß in ihrem Salon – angeblich – und wartete auf Gerberts Rückkehr von der bisher unaufgeklärten Fahrt zum Postamt … Sie kann unbemerkt die Villa verlassen haben, der Park nimmt ja ein ganzes Straßenquadrat ein, sie kann … sie kann …“ - er lächelte dazu … „Sie kann! - Aber damit kommen wir nicht weiter, mein Alter, und ich will weiter kommen!“ Er erhob sich schnell. „Mathilde läutet zum Mittagessen … Diese neue Einrichtung, daß bei uns wie in einem Pensionat ein Gong geschlagen wird, ist eine Idee unserer lieben Dicken … Gehen wir …“

Der Gong dröhnte, und während der Mahlzeit ließ sich dann Haralds Mutter wie stets Bericht erstatten. Meine

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Der weiße Maulwurf. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1932, Seite 18. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_wei%C3%9Fe_Maulwurf.pdf/18&oldid=- (Version vom 31.7.2018)