Seite:Der weiße Maulwurf.pdf/50

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ab, – ich wunderte mich, daß Harst sich von Strahl dieses Eingreifen zu Gunsten des weißen Maulwurfs gefallen ließ, ich wunderte mich noch mehr, als er zu Strahl ganz förmlich sagte: „Sehr brav, – Sie sind auf dem Posten!!“

Ich blickte zur Seite, – die beiden Frauen entfernten sich fluchtartig, trennten sich, und Josef Strahl schien erleichtert aufzuatmen, als auch der Radler in entgegengesetzter Richtung im Hochwalde verschwand.

Harald blieb genau so freundlich, obwohl Strahl uns bitterböse anschaute und recht barsch erklärte: „Mischen Sie sich doch nicht in fremde Angelegenheiten, Herr Harst! Sie stiften nur Unheil an!“

„So?! Unheil?! Und wie denken Sie sich das Ende, Herr Strahl?!“, meinte Harald geduldig. „Sie können doch nicht gut verlangen, daß ich den Mörder von Klausenburg, Prozeß 1911, den Raubgesellen vom 13. Mai, den doppelten Giftmischer und den Windbüchsenschützen so einfach laufen lasse?!“

Strahl erbleichte, stierte Harst lange an und fragte dann kleinlaut: „Sie wissen also alles, Herr Harst?“

„Ja – jetzt ja … Nachdem ich eine irrige Annahme korrigiert habe, kenne ich die ganzen Zusammenhänge. Es gab einmal einen jungen Verbrecher, der in dem Dorfe Karpati bei Klausenburg fünf Raubmorde beging und den Verdacht auf drei Zigeuner lenkte. Beim sechsten Raubmordversuch riß ihm Fräulein Födösy die Leichentücher ab … […][1] Witwe, Berkamp starb, - - und da entzweiten sich Tante und Nichte, denn erstere hatte den Mörder von Karpati wiedererkannt …“

Strahl ließ den Kopf mutlos sinken …

„Ja –- es war so …“, flüsterte er …

„Und dann, lieber Strahl, starb wieder nach Jahren das alte Fräulein … Alle Achtung vor deren Energie ..! Sie ahnte wohl, daß sie vergiftet werden sollte … Wie sie es


  1. In der Vorlage wiederholt sich die Zeile 17:Giftmischer und den Windbüchsenschützen, so einfach laufen, wodurch sich eine Textlücke ergibt.
Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Der weiße Maulwurf. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1932, Seite 50. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_wei%C3%9Fe_Maulwurf.pdf/50&oldid=- (Version vom 31.7.2018)