Seite:Deutschland unter Kaiser Wilhelm II Band 1.pdf/54

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donne à lui-même, et lorsqu’une fois on l’a arraché malgré lui à son logis et à ses habitudes, prêt à pousser jusqu’au bout du monde et à tout oser; indocile par tempérament, et s’accommodant mieux toutefois de l’empire arbitraire et même violent d’un prince que du gouvernement régulier et libre des principaux citoyens; aujourd’hui l’ennemi déclaré de toute obéissance, demain mettant à servir une sorte de passion que les nations les mieux douées pour la servitude ne peuvent atteindre; conduit par un fil tant que personne ne résiste, ingouvernable dès que l’exemple de la résistance est donné quelque part; trompant toujours ainsi ses maîtres, qui le craignent ou trop ou trop peu; jamais si libre qu’il faille désespérer de l’asservir, ni si asservi qu’il ne puisse encore briser le joug; apte à tout, mais n’excellant que dans la guerre; adorateur du hasard, de la force, du succès, de l’éclat et du bruit, plus que de la vraie gloire; plus capable d’héroisme que de vertu, de génie que de bon sens, propre à concevoir d’immenses desseins plutôt qu’à parachever de grandes entreprises; la plus brillante et la plus dangereuse des nations de l’Europe, et la mieux faite pour y devenir tour à tour un objet d’admiration, de haine, de pitié, de terreur, mais jamais d’indifférence?“

Tatsächlich hat Frankreich bald nach Wiederaufrichtung seiner durch die Niederlagen von Wörth und Sedan, wie noch durch jedes kriegerische Mißgeschick umgestürzten Staatsordnung seine Kräfte, die kontinentalpolitisch einstweilen gelähmt waren, weltpolitisch gewaltig geregt. Es hat sich während der letzten fünfundzwanzig Jahre ein Kolonialreich geschaffen, das ihm den in Europa erlittenen Gebiets- und Bevölkerungsverlust um ein Vielfaches ersetzt, und hat sich damit zur zweiten Kolonialmacht der Welt erhoben. Der vor den Toren Frankreichs liegende nordafrikanische Besitz ist durch Marokko fast verdoppelt worden.

Ob die volle und unbeschränkte politische, wirtschaftliche und militärische Herrschaft über Marokko, wie manche glauben, eine Schwächung, ob sie nicht vielmehr, namentlich für die Zukunft, eine erhebliche Stärkung Frankreichs bedeutet, ist hier nicht zu untersuchen. Jedenfalls beweist die kolonialpolitische Tätigkeit Frankreichs, wie rasch und intensiv die französische Unternehmungslust bald nach der Niederlage von 1870 wieder auflebte, um den erneuten nationalen Aufstieg in der Richtung zu versuchen, die offen stand und die auch von Deutschland in Tunis wie in Tonkin geflissentlich offen gelassen wurde. Einen vollgültigen Ersatz für den Verlust Elsaß-Lothringens wird aber Frankreich auch in seinem gewaltigen Kolonialbesitz nicht erblicken. Darüber war sich auch Bismarck nicht im unklaren, der eine Förderung der kolonialpolitischen Pläne Frankreichs empfahl, um die Augen der Franzosen wenigstens vorübergehend von den Vogesen abzulenken.

Die Marokko-Frage.

Als wir in der Marokko-Frage mit Frankreich aneinandergerieten, handelte es sich für uns nicht darum, die kolonialen Pläne Frankreichs zu durchkreuzen, sondern wir hatten gewichtige eigene Interessen und darüber hinaus unser nationales Ansehen zu wahren. Unser Vorgehen in den marokkanischen Angelegenheiten hatte seinen Rechtsgrund in dem Madrider Vertrag von 1880 und im deutsch-marokkanischen Handelsvertrag von 1890. Zum Vorgehen wurden wir genötigt durch die eigenmächtige Marokkopolitik Frankreichs,

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Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 1. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_1.pdf/54&oldid=- (Version vom 31.7.2018)