Seite:Deutschland unter Kaiser Wilhelm II Band 3.pdf/150

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Gang der Röntgenstrahlen eine in undurchsichtiges Papier eingewickelte photographische Platte, so zeigt sich auf ihr nach der Entwickelung der Platte das Schattenbild eines in den Strahlengang gebrachten Körpers, ähnlich so, als ob es von Lichtstrahlen erzeugt worden wäre, mit dem Unterschiede jedoch, daß die undurchsichtigen Körper noch teilweise durchsichtig erscheinen.

Das Aufsehen, welches die ersten Röntgenbilder, im besonderen die bekannte Skelett-Hand, kurz nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen in der ganzen Welt erregte, sucht seinesgleichen. Man war sich klar darüber, daß diese Entdeckung eine große Tragweite haben würde; trotzdem aber ahnte wohl niemand, in welchem Umfange direkt und indirekt diese Entdeckung zu weiteren Entdeckungen Veranlassung geben würde, ganz abgesehen von den praktischen Anwendungen der Röntgenstrahlen in der medizinischen Wissenschaft sowohl zur Diagnose wie auch als Heilmittel, auf die wir hier nicht näher eingehen können. Es gab im Jahre 1895 wohl kaum ein physikalisches Laboratorium in der ganzen Welt, in dem man nicht mit fieberhaftem Eifer Versuche mit Röntgenstrahlen anstellte. Gerade hierin liegt die Ursache für die weitere Erforschung des ganzen Strahlungsgebietes.

Luftpumpen. Funkeninduktorien.

Die instrumentelle Technik beschäftigte sich mit der Aufgabe, Röhren für Röntgenstrahlen zu bauen, die einen möglichst hohen Grad der Wirksamkeit zeigen. Das regte die Konstruktion gut wirkender Luftpumpen an, die schon auf einem anderen Gebiete als notwendiges Werkzeug der physikalischen Laboratorien gefordert wurden. Die Fabrikation der Glühlampen und die Steigerung ihres Wirkungsgrades durch Herstellung hochgradiger Luftverdünnungen hatte hier schon vorbereitend gewirkt. Ungezählte neue Konstruktionen von Quecksilber-Luftpumpen wurden auf den wissenschaftlichen Markt gebracht, und noch heute ist man eifrig mit der Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt. Besonders mag bei dieser Gelegenheit der von Gaede in Freiburg konstruierten Luftpumpen: der rotierenden Quecksilber-Luftpumpe, der Kapsel-Luftpumpe und der erst im letzten Jahre konstruierten Molekular-Luftpumpe gedacht werden. Eine weitere Forderung, die das Studium der Röntgenstrahlen stellte, war die Vervollkommnung der Funkeninduktorien, mit deren Hilfe es möglich ist, die hochgespannte Elektrizität zu erzeugen, die die Erzeugung der Röntgenstrahlen zur Voraussetzung hat. Der Ruhmkorffsche Funteninduktor erwies sich sehr bald als außerordentlich verbesserungsfähig. Man lernte Induktorien bauen, die bei einem relativ geringen Aufwande von Drahtmaterial große Funkenschlagweiten erzeugen. Heute sind Induktorien, die Funkenlängen von 1 Meter und mehr erzeugen, keineswegs selten. Um die Wirkungsweise der Funkeninduktorien zu steigern, wurde die Art der Drahtwicklungen rationeller gemacht, und es wurden neue Stromunterbrecher mit hoher Frequenz konstruiert. Unter diesen sind die rotierenden Quecksilberstrahl-Unterbrecher, die von verschiedenen mechanischen Firmen in den Handel gebracht wurden, sowie ganz besonders der von Wehnelt 1899 erfundene elektrolytische Unterbrecher erwähnenswert. In welcher Weise die Vervollkommnung der Induktorien nun wieder Untersuchungen

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Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1279. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/150&oldid=- (Version vom 31.7.2018)