Seite:Deutschland unter Kaiser Wilhelm II Band 3.pdf/153

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Fleck hin und her, und wenn man den bewegten Fleck in einem rotierenden Spiegel beobachtet, so sieht man eine Kurve, aus der man die Natur des Wechselfeldes erkennen kann. Die Braunsche Röhre ist demnach zur Untersuchung magnetischer Wechselfelder und daher auch der sie erzeugenden elektrischen Ströme geeignet.

Interferenz der Röntgenstrahlen.

Die Natur der Röntgenstrahlen hatte man trotz aller darauf verwandten Mühe und Sorgfalt nicht zu erkennen vermocht. Bis vor kurzem war der Streit darüber, ob die Röntgenstrahlen aus einer Art von elektrischem Strom, ähnlich wie die Kathodenstrahlen, bestehen, oder ob sie oszillatorischen Charakter haben; ob ferner die Oszillationen periodisch sind oder ob sie nur aus ein oder zwei Schwingungszügen bestehen, unentschieden. Erst das laufende Jahr hat darüber Klarheit geschaffen. Laue gehörte zu denen, die den Röntgenstrahlen oszillatorischen Charakter zusprechen. Er vermutete, daß man ihre Schwingungszahl und Wellenlänge nur aus dem Grunde nicht hatte messen können, well die Wellenlänge wesentlich kleiner sei, als die irgendeiner anderen bekannten Strahlenart. Er gab die Anregung, man solle die Röntgenstrahlen auf ein dünnes Plättchen einer Substanz leiten, deren Moleküle ganz regelmäßig im Raum angeordnet sind, also ein sogenanntes regelmäßiges Raumgitter bilden, da dieses Raumgitter vielleicht Beugungserscheinungen hervorrufen würde. Friedrich, ein Assistent Laues, führte dann diesen Versuch aus und wurde durch vollen Erfolg belohnt. Als er ein Bündel von Röntgenstrahlen auf ein dünnes Plättchen von Zinkblende fallen ließ, entstand auf einer hinter der Zinkblende aufgestellten photographischen Platte ein Interferenzbild von hervorragender Schönheit. Man kann diese Beobachtung und Entdeckung wohl zu den wichtigsten Entdeckungen der letzten Jahre zählen, da sie uns den Weg gezeigt hat, in welcher Weise wir das innere atomistische Gefüge eines Körpers untersuchen können. Mit Hilfe der Röntgenstrahlen können wir nun gewissermaßen die einzelnen Atome getrennt sehen und zählen. Zugleich können wir aus demselben Bilde die Wellenlänge der Röntgenstrahlen berechnen.

Elektrisches Atom (Elektron.)

Die Untersuchung der Kathodenstrahlen wurde durch die Entdeckung der Radiumstrahlen nicht aufgehalten, sondern in mancher Weise befruchtet. Fast gleichzeitig hatten J. J. Thomson und Wiechert 1897 nachgewiesen, daß die Kathodenstrahlen aus negativ geladenen „elektrischen Atomen“ bestehen, die mit großer Geschwindigkeit geradlinig von der Kathode fortgeschleudert werden. Die Geschwindigkeit der Kathodenstrahlen ist später oft gemessen worden; sie beträgt etwa 1/10 bis 1/5 der Lichtgeschwindigkeit. Die ersten, die zuverlässige Messungen ausgeführt haben, waren Wiechert und Des Coudres. Im Jahre 1900 gelang es W. Kaufmann, auch die Geschwindigkeit der vom Radium ausgehenden Beta-Strahlen zu messen und das Verhältnis der elektrischen Ladung zu ihrer Masse zu bestimmen. Aus diesen Versuchen schloß Kaufmann, daß ein einzelnes Atom einer solchen elektrischen Ladung etwa den 2000. Teil der Masse eines Wasserstoffatomes hat.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1282. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/153&oldid=- (Version vom 31.7.2018)