Seite:Deutschland unter Kaiser Wilhelm II Band 3.pdf/154

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An diese Untersuchungen schloß sich dann die Frage, was man als Masse eines solchen elektrischen Atomes (eines Elektrons) zu verstehen habe, und ob nicht etwa die Masse nur vorgetäuscht sei. Im weiteren Verfolg dieser Frage ist dann der Gedanke ausgesprochen, ob nicht die Masse überhaupt nur elektromagnetischer Natur sei, also keine reale Existenz in dem Sinne habe, wie wir es gemeiniglich anzunehmen pflegen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die körperliche Masse nichts anderes ist, als eine Kongregation von Elektronen. Die Verschiedenartigkeit der materiellen Atome würde dann nur aus einer verschiedenartigen Anordnung der Elektronen beruhen. Ist diese Annahme richtig, so muß es möglich sein, auch alle mechanischen Vorgänge auf elektrische Vorgänge zurückzuführen.

Kanalstrahlen.

Nur kurz mag noch erwähnt sein, daß von den in einem Entladungsrohr enthaltenen Elektroden auch Strahlen positiver Elektrizität ausgehen, die zuerst von Goldstein 1881 beobachtet wurden. Sie sind später von ihm Kanalstrahlen genannt worden, weil sie besonders hinter den Kathoden auftreten, die kanalförmige Durchbohrungen haben. Auch von der positiven Elektrode (der Anode) gehen nach neueren Untersuchungen Strahlen aus, die Anodenstrahlen genannt werden. An den Kanalstrahlen beobachtete J. Stark 1906 die Erscheinung des sogenannten Dopplereffekts. Er fand bei der spektralen Untersuchung des Kanalstrahlenlichts eine Verschiebung der Spektral-Linien nach dem violetten Ende des Spektrums hin, wenn er den Kanalstrahlen entgegenblickte, und nach dem roten Ende hin, wenn er in der Richtung der Kanalstrahlen beobachtete. Hieraus konnte er schließen, daß die Träger der Lichtemission die Gasatome sind, und daß das Licht von den in den Atomen schwingenden Elektronen verursacht wird.

Zeemann-Effekt.

Mit der letzten Erscheinung berühren wir eine Entdeckung, die von Zeemann in Leiden 1896 gemacht wurde, die unter dem Namen des Zeemann-Effekts bekannt ist. Der Zeemann-Effekt besteht in der Erscheinung, daß die Spektrallinien des von einem glühenden Metalldampf ausgehenden Lichts verbreitert und sogar in mehrere Teile zerspalten werden, wenn sich die Lichtquelle in einem starken magnetischen Felde befindet. Diese Entdeckung war schon von H. A. Lorentz vorausgesagt worden, der sie aus der Vermutung erschloß, daß schwingende Elektronen die Emissionszentren des Lichts der Spektrallinien in glühenden Metalldämpfen seien. Auch an der Erforschung dieses Gebietes haben neben Stark viele deutschen Forscher lebhaften Anteil gehabt, unter denen besonders W. Voigt genannt sein möge.

Hertz’ Strahlen elektrischer Kraft.

Also auch Licht ist eine elektrische Erscheinung! Die Brücke zwischen Licht und Elektrizität war schon früher geschlagen worden. Schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts schloß Maxwell durch vorwiegend mathematische Berechnungen, daß sich die Gesetze über das Licht aus den in einem elektrischen Felde stattfindenden Störungen mathematisch

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1283. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/154&oldid=- (Version vom 31.7.2018)