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in die Chemie der Kohlenhydrate 1884 einsetzten. In seiner Hand wurde 1890 die optisch-inaktive Lävulose oder α-Akrose aus Akroleindibromid der Ausgangspunkt zur Synthese von Fruchtzucker und Traubenzucker, von denen er den letzteren in ersteren überführte. Von den Reaktionen, die dabei eine Rolle spielen, sei die 1885 von Kiliani gefundene Anlagerung der Blausäure an Aldosen und Ketosen erwähnt, ferner die von Emil Fischer gefundene Reduktion der Polyoxymonokarbonsäurelaktone zu Aldosen und die Umlagerung von Polyoxymonokarbonsäuren durch Erhitzen mit Chinolin zu Stereoisomeren, bei denen nur die Anordnung von Hydroxyl und Wasserstoff an dem mit Karboxyl verbundenen Kohlenstoff geändert ist. Es gelang E. Fischer weiter, aus den nach van’t Hoffs Theorie möglichen 16 stereochemischen Formeln der Aldohexosen die Formel für den Traubenzucker auszuwählen, für alle bekannten Aldopentosen, Aldohexosen und Ketohexosen die Raumformeln abzuleiten und die Zahl dieser Zucker durch eine Reihe damit genetisch zusammenhängender, synthetisch gewonnener Aldosen mit sechs, sieben, acht und neun Kohlenstoffatomen zu vermehren. 1893 lehrte A. Wohl, daß man das Oxim einer Aldohexose benutzen kann, um die Aldohexose zu der entsprechenden Aldopentose abzubauen. Otto Ruff verwertete 1898 zum Abbau der Aldosen die Oxydation der aus ihnen leicht entstehenden Oxymonokarbonsäuren mit Wasserstoffsuperoxyd bei Gegenwart von Ferrichlorid.

Eiweißchemie.

Das bei der hydrolytischen Spaltung der Eiweißsubstanzen entstehende Gemisch von Aminosäuren lehrte E. Fischer durch fraktionierte Destillation ihrer Ester in seine Bestandteile zu zerlegen. Alle diese Spaltungsprodukte sind synthetisch dargestellt worden. Hervorgehoben sei die Synthese des Zystins, das man als Hauptträger des Schwefelgehaltes der Eiweißsubstanzen ansieht durch E. Erlenmeyer jun. 1904. Auf Grund der Annahme, daß die Aminosäuren in den Eiweißsubstanzen amidartig miteinander vereinigt sind, unternahm es E. Fischer besonders im Verein mit Abderhalden seit 1903, unter Verwendung der Ester der Aminosäuren und der Chloride der Aminosäurechlorhydrate, sowie anderer Abkömmlinge eiweißähnliche Substanzen synthetisch zu gewinnen. Th. Curtius benutzte zu dieser Verknüpfung der Aminosäuren ihre Azide. Die so entstehenden in mancher Hinsicht den Peptonen ähnlichen Aminazylaminokarbonsäuren nannte E. Fischer Peptide und unterscheidet nach der Zahl der verketteten Aminosäuren: Di-, Tri-, Tetrapeptide usw., von denen über hundert verschiedenartige Vertreter gewonnen worden sind. E. Fischer und Abderhalden gelang es, als Spaltungsprodukte von Eiweißsubstanzen neben Aminosäuren Di- und Tetrapeptide zu isolieren, die mit synthetisch gewonnenen identisch sind.

Purinchemie.

Im Tierkörper entstehen aus Eiweißsubstanzen Harnstoff, Harnsäure und ihre Verwandten Guanin, Xanthin, Hypoxanthin und Adenin. Xanthin und Hypoxanthin finden sich auch im Teeextrakt neben den methylierten Xanthinen Theophyllin, 1888 von Kossel entdeckt, und Thein, das auch im Kaffee vorkommt. Theobromin, ebenfalls ein methyliertes Xanthin, ist im Kakao enthalten. Alle diese Substanzen sind synthetisch dargestellt worden. Die erste Synthese der Harnsäure gelang 1888 R. Behrend und O. Roosen, die dabei von Azetessigester und Harnstoff

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1307. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/178&oldid=- (Version vom 31.7.2018)