Seite:Deutschland unter Kaiser Wilhelm II Band 3.pdf/191

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ausgebildete Chemiker angestellt, deren Zahl in jeder der großen Teerfarbenfabriken mehrere Hundert beträgt. Die wissenschaftliche Arbeit dieser technischen Chemiker vollzieht sich in besonders dazu eingerichteten Laboratoiren, in denen sie oft genug über weit mehr Hilfsmittel und Hilfskräfte verfügen, als die an den Hochschulen wirkenden Gelehrten.

In dem Maße, in dem im Laufe der letzten 25 Jahre der Zudrang zu den deutschen Hochschulen wuchs, nahmen akademische Berufsgeschäfte und die Verwaltung der immer größer werdenden Institute Zeit und Kraft der Institutsleiter mehr und mehr in Anspruch, ihre Forschertätigkeit hemmend und beschränkend. Es machte sich das Bedürfnis nach ausschließlich der Forschung gewidmeten Instituten geltend. Man hätte zunächst erwarten können, daß die alten deutschen Akademien derartige Institute gründen würden. Allein die Mittel der Akademien sind zum Teil schon zu der Errichtung von Universitätsinstituten verwendet, auch den vielseitigen, an sie herantretenden Ansprüchen längst nicht mehr gewachsen.

So mußte die Hilfe von anderer Seite kommen. Der weitblickenden Initiative unseres Kaisers ist es zu verdanken, daß 1911 die Kaiser Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften mit dem Sitze in Berlin und dem ausdrücklichen Zwecke der Gründung von Forschungsinstituten ins Leben trat. Dem Rufe des Kaisers folgend, stellten hochherzige Stifter reiche Mittel zur Verfügung. Mehrere Institute dieser neuen Kaiser Wilhelm-Gesellschaft haben bereits ihre Pforten geöffnet, darunter eines für allgemeine Chemie und eines für physikalische Chemie.

Die an diesen Instituten wirkenden Gelehrten sind frei von der Bürde des akademischen Lehramtes, frei in der Wahl ihrer Aufgaben. Und so mag denn der Überblick über die Fortschritte der Chemie in den letzten 25 Jahren mit dem Wunsche geschlossen werden, daß den naturwissenschaftlichen Forschungsinstituten, die den Namen ihres kaiserlichen Begründers tragen dürfen, in alle Zukunft reiche wissenschaftliche Erfolge beschieden sein mögen.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1320. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/191&oldid=- (Version vom 31.7.2018)