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empfohlen, die Flüssigkeit in besonderen Irrigatoren mit Sauerstoff durchzuschütteln, wobei sich die Lösung mit diesem Gase sättigt.

Bauchhöhle.

Die Chirurgie der Bauchhöhle, die noch vor einigen Jahren nur von wenigen Auserwählten geübt wurde, ist heute Allgemeingut und meist das eigentliche Betätigungsgebiet jedes Chirurgie treibenden Arztes geworden. Da das hier Erreichte allgemein bekannt ist, so genügt ein Hinweis auf die Gallensteinchirurgie, deren Dauererfolge soviel bessere geworden sind durch die prinzipielle Eröffnung der Gallengänge (Kehr) und die grundsätzliche Entfernung der Gallenblase als der eigentlichen Bildungsstätte der Steine (Langenbuch).

Erinnert sei auch an die Operationen bei der Blinddarmentzündung, dieser ständig an Häufigkeit zunehmenden und bereits die Volkssterblichkeit beeinflussenden Krankheit. Als die Haupterrungenschaft auf dem Gebiete der Wurmfortsatzentzündung, welche erst im letzten Vierteljahrhundert durch die von Sonnenburg eingeleiteten Bemühungen der Chirurgen aller Länder bis in alle Einzelheiten bekannt geworden ist, muß die Frühoperation, d. h. die Operation möglichst in den ersten vierundzwanzig Stunden des Anfalles, angesehen werden. Sie verbindet den Vorteil der radikalen Entfernung des gefährlichen, weil fast stets chronisch kranken Organs mit dem der sicheren Verhütung aller unberechenbaren Folgen der akuten Attacke.

Weniger bekannt als die Erfolge der Operationen am Wurmfortsatz und an den Gallenwegen sind die guten Resultate, die eine auf sorgfältigster Auswahl der Fälle und präzise Diagnose beruhende operative Behandlung der Magenkrankheiten zeitigt. Zu den dankbarsten operativen Maßnahmen, die wir überhaupt kennen, gehören die Operationen bei Verengerung des Magenausganges, sei es, daß diese Verengerung bedingt ist durch schrumpfende Geschwüre des Magens oder durch ein Geschwür im Anfangsteile des Zwölffingerdarms. Da die Speisen durch die Enge hindurch nicht mehr aus dem Magen in den Darm gelangen können, stellen wir unter Umgehung der engen Stelle eine neue Verbindung zwischen dem Magen und der obersten Dünndarmschlinge her (Gastroenterostomie nach Wölfler und v. Hacker). Daß die dem Hungertode nahen, auf ein jahrelanges Leiden zurückblickenden Kranken nach einer solchen Operation in kurzer Zeit fast das Doppelte ihres bisherigen Gewichtes erreichen, ist keine Seltenheit.

Eine sehr merkwürdige Erscheinung ist die, daß das Geschwür des Zwölffingerdarms, eine Erkrankung, die noch im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts für eine Rarität gehalten wurde, jetzt immer zahlreicher zur Beobachtung kommt. Die ersten Nachrichten über das gehäufte Auftreten kamen aus England und Amerika (Moynihan, W. Mayo), in den letzten Jahren aber ist auch in Deutschland das Leiden immer häufiger operiert worden und hat den deutschen Chirurgenkongreß eingehend beschäftigt. Die Zunahme der Krankheit ist zum Teil eine scheinbare und auf die verbesserte Diagnostik zurückzuführen, welche besonders durch die von Rieder (1906) eingeführte Sichtbarmachung des Magendarmkanals im Röntgenbilde in hohem Maße gefördert worden ist, zum Teil aber ist sie eine reelle und hängt wohl mit der unzweckmäßigen Lebensweise zusammen, die der moderne Kampf ums Dasein vielen Ständen aufnötigt. Beide Ursachen

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1390. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/261&oldid=3270730 (Version vom 31.7.2018)