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Seehäfen.

Die einheimischen Seehäfen sind den über Erwarten schnell gestiegenen Anforderungen der Seeschiffahrt in einer glänzenden Entwicklung gefolgt. Hamburg konnte sich zum ersten Seehafen des Kontinents aufschwingen und auch Bremen und Emden, sowie an der Ostsee Lübeck, Stettin, Danzig und Königsberg sind mit den Anforderungen der Neuzeit entsprechenden Hafenanlagen ausgerüstet worden. Auch in den deutschen Kolonien wurden zum Teil unter schwierigen Verhältnissen Hafenbauten durchgeführt, die für die wirtschaftliche Erschließung der deutschen Neuländer von wesentlicher Bedeutung sind.

Nicht minder groß, wie auf dem Gebiete des Wasserverkehrs sind die Erfolge, die der deutsche Wasserbau bei der Wassernutzung für die Zwecke des Landbaues, der Wasserversorgung und der Wasserkraftgewinnung aufzuweisen hat.

Entwässerung.

Durch Entwässerung von Sümpfen und Mooren, sowie durch ausgedehnte Bewässerungsanlagen sind große Gebiete in Deutschland der landwirtschaftlichen Bestellung erschlossen worden. Für Tausende von Menschen wurden dadurch neue Lebensbedingungen geschaffen, und es wurde der Weg gewiesen, auf dem die Ernährungsmöglichkeiten des deutschen Volkes im Inland in der Zukunft noch erheblich gesteigert werden können.

Wasserversorgung.

In der Wasserversorgung der Städte und Ortschaften ist im letzten Vierteljahrhundert ein vollständiger Wechsel der Anschauungen eingetreten. Da man den Flüssen und Strömen immer mehr die Aufgabe zuweisen mußte, die schnell zunehmenden Mengen der verunreinigten Abwässer fortzuführen, konnten dieselben nicht mehr wie früher der Wasserversorgung dienen. An Stelle des durch die Filterung oft nur notdürftig gereinigten Oberflächenwassers wurde das gesundheitlich höher stehende Grundwasser immer mehr die wesentlichste Quelle der Wasserversorgung. Fast sämtliche deutschen Groß- und Mittelstädte werden heute durch ausgedehnte Leitungsnetze mit Grund- oder Quellwasser versorgt. Aber auch die kleinen Orte und Landgemeinden, die früher auf die Einzelversorgung aus oft hygienisch nicht einwandfreien Brunnen angewiesen waren, erhalten heute ihr Wasser aus Gruppen-Wasserversorgungsanlagen zugeführt, wobei vielfach eine Hebung des Wassers durch Pumpen erforderlich ist. Vereinzelt erfolgt die Wasserversorgung auch durch die Wasserentnahme aus größeren natürlichen Seen, wie in Konstanz aus dem Bodensee, oder aus künstlich geschaffenen Staubecken, wie in mehreren rheinisch-westfälischen Städten und in Chemnitz.

Gewinnung von Energie.

Die Gewinnung von Energie aus den strömenden Gewässern, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ins Stocken geraten war, da die älteren, wenig leistungsfähigen Wasserkraftwerke den Wettkampf mit der Dampfmaschine nicht aufzunehmen vermochten, hat in letzter Zeit eine glänzende Entwicklung aufzuweisen. Nachdem es gelungen war, starke Gefälle zusammenzufassen und auch die bedeutenden Wassermengen der großen

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Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1498. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/369&oldid=- (Version vom 9.6.2021)