Seite:Deutschland unter Kaiser Wilhelm II Band 3.pdf/374

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In diesen Werken ist ein für wissenschaftliche Studien und für praktische Zwecke gleich wertvolles Material enthalten. Zur einheitlichen Bearbeitung hydrographischer Fragen für Preußen wurde die „Landesanstalt für Gewässerkunde“ in Berlin ins Leben gerufen, die zurzeit H. Keller untersteht und ihre umfangreichen und wertvollen Arbeiten im Jahrbuch für Gewässerkunde herausgibt.

Versuchsanstalten.

Eine Ergänzung fanden die meist von den Wasserbauverwaltungen ausgeführten unmittelbaren Beobachtungen an den natürlichen Wasserläufen durch Versuche, die an künstlich hergestellten Modellflüssen in stark verkleinertem Maßstab angestellt wurden. Bei diesen Versuchen ist eine genaue Beobachtung der feineren Vorgänge beim Wasserabfluß und bei der Bildung und Umgestaltung der Flußbetten möglich, während bei den natürlichen Wasserläufen die Undurchsichtigkeit des meist getrübten Wassers die Ausbildung der Sohle und die Bewegung der Sinkstoffe der unmittelbaren Beobachtung entzieht.

Nachdem französische Ingenieure schon früher versucht hatten, durch die Herstellung von Modellflüssen im Freien diese Frage zu klären, ist Deutschland mit der Errichtung wasserbaulicher Versuchsanstalten in geschlossenen Räumen vorangegangen, in denen Flußmodelle mit künstlicher Wasser- und Sinkstoffzuführung in aller Schärfe beobachtet werden können. Diese Versuchsanstalten oder Flußbaulaboratorien wurden meist in Verbindung mit den Lehrstühlen des Wasserbaues an den Technischen Hochschulen errichtet. Als erster hat Engels in Dresden im Jahre 1898 ein Versuchsgerinne für flußbauliche Versuche eingerichtet, in dem bereits eine Reihe für den Flußbau grundlegender Fragen untersucht worden sind. Im Jahre 1901–1902 folgte die Technische Hochschule zu Karlsruhe mit der Erbauung eines Flußbaulaboratoriums, in dem im Jahre 1906 eine Glasrinne zur Beobachtung rein hydraulischer Vorgänge aufgestellt wurde. Im Jahre 1903 wurde sodann die mit einer großen Rinne für Schleppversuche mit Schiffen verbundene, dem preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten unterstellte wasserbauliche Versuchsanlage auf der Schleuseninsel im Berliner Tiergarten dem Betrieb übergeben, der dann das Flußbaulaboratorium in Darmstadt, das nach den zum Teil neuen Vorschlägen Kochs erbaut wurde, folgte. Zurzeit stehen in Deutschland Flußbaulaboratorien an den Technischen Hochschulen in Berlin und Danzig, sowie ein Neubau in Dresden vor ihrer Vollendung. In Karlsruhe ist ein umfangreicher Neubau in Vorbereitung. Da auch im Ausland einige nach deutschem Vorbild angelegte wasserbauliche Versuchsanstalten fertiggestellt bzw. im Bau sind, wird schon bald über ein Dutzend solcher Anstalten zur Klärung der schwierigen Fragen des Wasserabflusses, der Geschiebebewegung und Flußbettgestaltung beitragen können.

Wenn auch die Vorgänge beim Abfluß von Wasser und bei der Sinkstoffbewegung so verwickelter Natur sind, daß eine vollständige Klarlegung aller dabei auftretenden Vorgänge unmöglich erscheint, so werden die Versuche doch sicherlich noch manchen wertvollen Aufschluß geben. Sie werden dem Ingenieur neue Waffen für seinen Kampf gegen das Wasser und für seine Arbeit mit dem Wasser liefern und ihn in den Stand setzen, mit weit größerer Sicherheit wie seither seine technischen Maßnahmen richtig

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1503. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/374&oldid=- (Version vom 10.6.2021)