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etwas früher); Lahmeyer war bei uns der erste, der Maschinen nach der neuen Erkenntnis baute.

Nun folgte eine Erforschung des magnetischen Kreises und der magnetischen Eigenschaften des Eisens mit dem Ziele, die Maschinen sicherer vorausberechnen und verbessern zu können. Methoden zur Eisenuntersuchung waren bekannt; ihre nun gesteigerte Bedeutung führte aber zu wichtigen Verbesserungen. Für die Prüfungen des Eisens auf die Verluste, die bei seiner Ummagnetisierung durch Hysterese und Wirbelströme auftreten, wurden Apparate von Epstein, Möllinger und von Rudolf Richter angegeben und, damit die mit ihnen gewonnenen Ergebnisse ohne weiteres miteinander verglichen werden könnten, für ihre Anwendung vom Verbande Deutscher Elektrotechniker im Jahre 1903 eine Norm aufgestellt. Eine natürliche Folge war nun, daß man das Eisen so zu verbessern strebte, daß die Verluste geringer würden; das gelang hauptsächlich durch Legierung mit Silizium.

Aus der Kenntnis des magnetischen Kreises heraus wurde dann Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre die Form der elektrischen Maschine zu dem bis heute festgehaltenen Typus entwickelt, für den außer der oben erwähnten Gedrungenheit für größere Maschinen die Vielpoligkeit charakteristisch wurde.

Die durch die vielpolige Ausbildung des Feldmagnetsystems an den Anker gestellte Forderung zu befriedigen wurde leicht, nachdem Arnold im Jahre 1891 die Ankerwicklungen in ein System gebracht hatte. Mit dem zunehmenden Verlangen der Industrie nach größeren Maschinen wurde auch das Bestreben dringlicher, aus Maschinen bestimmten Gewichts eine möglichst große Leistung herauszuholen. Ihrer Ausnutzung bis zur natürlichen, durch die Erwärmung gezogenen Grenze stand aber noch ein großes Hindernis entgegen: die Funkenbildung am Stromabnehmer, dem sogenannten Kommutator. Diese hielt zwar der Laie für die selbstverständliche Äußerung einer stark beanspruchten Maschine, etwa wie bei einer Lokomotive das heftige Auspuffen. Der Fachmann aber sah sie mit Kummer; und seinen theoretischen Forschungen gelang es, das Funken in seinen Ursachen zu ergründen und durch geschickt angewandte Mittel zu beseitigen. Das erfolgreichste Mittel fand in den von Menges erfundenen Wendepolen nach Ablauf des Patentes 1899 allgemeine Verbreitung.

Nun war es auch möglich, solche Gleichstrommaschinen zu bauen, deren Entwicklung bisher durch die Funkenbildung in besonderem Maße gehemmt war: Maschinen mit sehr großen Geschwindigkeiten, wie sie für Antrieb durch Dampfturbinen gefordert wurden, Motoren mit schnell und stark veränderlicher Belastung, wie sie hauptsächlich in hüttenmännischen Betrieben gebraucht wurden, und Motoren, deren Geschwindigkeit in weiten Grenzen geregelt werden sollte.

Wechselstromtechnik.

Von Wechselstrom war im Jahre 1888 noch kaum die Rede, die erste praktische Anlage mit parallelgeschalteten Transformatoren zur Umwandlung hochgespannten in niedergespannten (d. h. unmittelbar gebrauchsfähigen) Wechselstrom, also nach einem heute allgemein verbreiteten Systeme, war von der Ofen-Pester Firma Ganz & Cie. 1887 für den Wiener Westbahnhof erbaut

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Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1509. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/380&oldid=- (Version vom 20.8.2021)