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Heilige Pfleger, rief er aus, der Flamme,

Die die Welt erleuchtet und befruchtet!
Feuer ist es, was die Sterne schimmern,
Feuer ist es, was den Tag zum Tag macht:
Was der Nahrung rohen Stoff dem Gaumen

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Zubereitet, ist die Kraft des Feuers;

Feuer ist es, was den Mann der Männin
Beigesellt und Menschen schafft. Erfindung,
Die des Dichters Brust entflammt, und kalte
Herzen flieht, es ist die Kraft des Feuers!

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Sie belebt das All, dem seelenlosen

Kiesel selbst entspringt der ewige Funke!
Nimm den Funken aus der Sonne, schleunig
Sinkt zu Moder diese Welt zusammen.
Drum ertönt euch mein Gebet, der Flamme

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Heilige Pfleger! Aber nehmt das Opfer!

Dieser Jüngling, der den falschen Götzen
Fröhnt am Grabe Mecca’s, möge bald er,
Wann der Neumond wiederkehrt, und euer
Heiliges Schiff zur Feuerinsel steuert,

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Anzuzünden unser jährlich Opfer,

Möge bald er auf dem Scheiterhaufen,
Den der Aloë Gedüft umweihraucht,
Asche werden durch die Kraft des Feuers!

So der Greis. Die heiligen Pfleger nickten

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Ohne Laut ihm allzumal, und schweigend

Winkten Alle mit der Hand den Schergen,
Die den Hintergrund des Saals erfüllten.
Diese faßten schnell den überraschten
Sohn des Harun Alraschid und trugen

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Auf gewaltigen Schultern ihn von dannen.

Doch im Grund des Saals ergreift der erste
Häscher plötzlich einen Ring von Eisen,
Welcher auf der Erde lag, und öffnet

Empfohlene Zitierweise:
August Graf von Platen: Die Abbassiden. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1847, Seite 16. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Abassiden_(Platen).pdf/16&oldid=- (Version vom 31.7.2018)