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Auch mir zuweilen macht’s ein bischen Galle,

Daß ich so wenig noch gethan auf Erden,
Und wenn ich euch im Ganzen nicht gefalle,
So führ’ ich deßhalb keineswegs Beschwerden;
Doch wünscht’ ich manchmal, wie die Andern alle,

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Zu euern Klassikern gezählt zu werden:

Die Ehre freilich ist ein bischen mager,
Denn wer in’s Horn bläst, heißt sogleich ein Schwager.

Drum hab’ ich euch dieß neue Lied gesponnen,
Das weder Zeit mir noch Kritik verheere;

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Es ist, wofern mir unter wärmern Sonnen

Gereift ein Lorbeer, seine reifste Beere:
Im alten Siena hab’ ich’s ausgesonnen,
Und dann mit mir geschleppt an beide Meere,
Und schlepp’ ich’s weiter, bitt’ ich nicht zu staunen,

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Denn häufig wechseln meine Reiselaunen.


Und weil so Mancherlei den Geist verführet,
So wechsl’ ich Aufenthalte gern und Ziele,
Und unter Welschlands Firmament gebühret
Ein bischen Trägheit, das bezeugen Viele:

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Ich habe mehr gedacht als ausgeführet,

Und hätt’ ich alle jene Trauerspiele,
Zu denen ich den Plan gemacht, geschrieben,
Ich wäre nicht so unberühmt geblieben!

Nie kann der Mensch, wie viel er auch vollende,

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Wie kühn er sei, sich zeigen als ein Ganzes,

Und was er ausführt, gleicht es nicht am Ende
Zerstreuten Blumen eines großen Kranzes?
Drum Heil den Dichtern, deren reicher Spende
Deutschland verdankt den Gipfel seines Glanzes,

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Die nie mit Denken ihre Zeit verputzen,

Und statt des Geistes bloß die Federn nutzen!

Empfohlene Zitierweise:
August Graf von Platen: Die Abbassiden. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1847, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Abassiden_(Platen).pdf/4&oldid=- (Version vom 31.7.2018)