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Gegen Freunde kannt’ er keine Gränzen:
Was dem Einen wohlgefiel, dem Andern
Wünschenswert schien, Alles gab Alasnam!

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Kam ein Spielmann, kam ein fremder Dichter,

Sein Serai besuchend, wog er ihnen
Jedes Wort mit Perlen auf, und jeden
Weichen Flötenton mit Edelsteinen:
So versiechte bald der Schatz Abdalla’s.

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Bald, den Nil auf einer Gondel abwärts

Zog der Prinz, nach jenem alten Derwisch,
Nach der stillen Geisterinsel fragend.
Mild empfing der edle Greis den Jüngling.
Dieser klagt ihm sein Geschick, der Derwisch,

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Bei der Hand ihn fassend, gab zur Antwort:

Sohn Abdalla’s, der geherrscht in Cairo!
Nicht ich selbst besitze Gold und Güter:
Alles, was ich widmen kann den Erben,
Ist ein Krug, ein Alcoran und diese

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Betkorallen. Thätig unter Menschen

Lebt’ ich ehmals; aber mein Gedanke
Wuchs in mir von Jahr zu Jahr, bis endlich
Dieser Schatz mir ganz allein genügte.
Aber dennoch hoff’ ich, Prinz Alasnam,

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Dich zu retten. Meine Wissenschaft hat

Mit dämonischen Wesen eng verknüpft mich,
Welche tief im Erdengrund des Reichthums
Wächter sind. Du siehst die Pyramide,
Welche dort sich aus dem Sand emporhebt:

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Wenigen Menschen ward’s vergönnt, in ihren

Schlund hinabzusteigen, der des hohen
Geisterköniges unterirdischer Sitz ist.
Ihn erblickt kein sterblich Auge, seine
Stimme tönt jedoch dem weisen Forscher.

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Deinethalb befragt’ ich ihn, das Leben,

Das du führtest, blieb mir kein Geheimniß.

Empfohlene Zitierweise:
August Graf von Platen: Die Abbassiden. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1847, Seite 53. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Abassiden_(Platen).pdf/53&oldid=- (Version vom 31.7.2018)